Tradition

Am Dreikönigstag beginnt rund um Lörrach die Fasnacht

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mo, 06. Januar 2020 um 11:11 Uhr

Lörrach

Am Dreikönigstag läuten viele Narren im Kreis Lörrach die Fasnacht ein. Manche Traditionalisten beharren darauf, dass das der einzige echte Auftakttermin für die alemannische Fasnacht sei. Doch den gibt es nicht.

Es ist wieder soweit: Am Dreikönigstag läuten die Narren zum Beispiel in Lörrach, Binzen und Grenzach-Wyhlen die Fasnacht ein. Manche Traditionalisten beharren darauf, dass das der einzige echte Auftakttermin für die alemannische Fasnacht sei. Doch den gibt es nicht.

In manchen Orten ziehen die Sternsinger von Haus zu Haus und begegnen dabei den ersten Hästrägern und Guggenmusikern. Mit dem Dreikönigstag endet nicht nur die Weihnachtszeit, sondern beginnt auch die Fasnachtszeit.

Warum das so ist, lässt sich nicht genau belegen, auch langjährige begeisterte Fasnächtler sind sich nicht sicher. Klaus Preusch aus Weil am Rhein war mehr als 50 Jahre bei den Isteiner Drübel aktiv, im Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) gehörte er auch dem Brauchtumsausschuss an. Der 6. Januar, der vielen alemannischen Fasnächtlern im Gegensatz zum 11.11. als der korrekte Starttag erscheint, sei zwar in vielen Orten eine Tradition, aber kein Brauchtum, sagt er. Tradition sei etwas, das vielleicht seit 20 oder 50 Jahren so gemacht werde, erklärt Klaus Preusch: "Brauchtum ist seit 100 Jahren oder noch viel länger überliefert."
Beginn der alemannischen Fasnacht am Montag, 6. Januar

Der Neujahrsempfang der Narrengilde Lörrach beginnt um 17 Uhr in der Alten Halle Haagen, Manzentalstraße 9.

Fasnachtseröffnung der Buurefasnacht Hauingen ist zwischen 11 und 18 Uhr in der Turn- und Festhalle Hauingen, Brückenstraße 3. Die Hauinger Cliquen stellen sich dort an verschiedenen Ständen vor.

Der Fasnachtsball der Narrenzunft Rolli Dudel in Grenzach-Wyhlen beginnt um 14 Uhr in der Hochrheinhalle, Hutmattenstraße 21.

Die Abstaubete vor dem Gasthaus Vogtshaus, Eisenbahnstraße 4, markiert um 18 Uhr den Startpunkt für die Fasnacht in Steinen-Höllstein.
Fasnachtseröffnung mit Narrenbaumsetzen und Mottoverkündung der Narrenzunft Binzener Thonnerknaben ist um 11.11 Uhr auf dem Rathausplatz Binzen.

Das Maskenabstauben der Dinkelberg-Schrate in Rheinfelden findet um 15.30 Uhr am Oberrheinplatz statt.

Das Karbatschenschlagen der Blätzle Narren in Todtnau beginnt um 11.11 Uhr im Rathausgarten, der Abschluß wird um zirka 13 Uhr auf dem Marktplatz sein.

Woher die Tradition komme, dass am 6. Januar die Fasnacht eröffnet werde, sei nicht klar. In der Narrenhochburg Rottweil werden am Dreikönigstag die Narrenkleidle abgestaubt. Von dort aus könne sie sich verbreitet haben, meint Preusch. Er beruft sich auf das Standardwerk "Narrenidee und Fastnachtsbrauch: Studien zum Fortleben des Mittelalters in der europäischen Festkultur" von Professor Werner Metzger. "Da steht nichts drin vom 6. Januar", sagt Preusch.

Der Tag markiert allerdings das Ende der zwölf Raunächte und der Weihnachtszeit. Damit könne ein Zusammenhang bestehen. Die Perchten, die Dämonen der Raunächte, sind ein Indiz dafür. Ihr Name stammt möglicherweise vom Begriff Berchtnacht. So wurde im Mittelalter der Feiertag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), bezeichnet. Heute ist das der Dreikönigstag. Die Perchten können Gutes tun, sie können aber auch als böse Dämonen die Häuser in den Raunächten heimsuchen. Um sie zu vertreiben, kann man sich selbst als Dämon verkleiden. In manchen Regionen gibt es heute noch Perchtenumzüge, an denen die schaurigen Gestalten durch die Straßen ziehen. Volkskundler gehen davon aus, dass diese Umzüge Vorläufer der heutigen Fasnachtsumzüge sind.

Die Gralshüter

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) sieht sich gern als Gralshüter der Narretei. Als im Sommer eine Narrengruppe in der Sendung "Immer wieder sonntags" auftrat, schickte der Verband eine fünfseitige Stellungnahme. "Das geht einfach gar nicht", wird darin VSAN-Präsident Roland Wehrle zitiert. Die Fasnacht im schwäbisch-alemannischen Sinne dauere von Dreikönig bis Fasnachtsdienstag. Kleines Bonmot am Rande: Der VON spaltete sich 1937 im Streit vom VSAN ab, weil man sich wieder mal nicht über die "echte" Fasnacht einig war.

Wer hat das Urheberrecht auf die "echte" Fasnacht?

Das wird man sich auch nicht werden: Die Narrenzunft Rheinfelden beispielsweise wurde am 11.11.1937 gegründet. Vorbild war der rheinische Karneval, den die Arbeiter mitgebracht hatten, die in das erst 1901 gegründete Badisch Rheinfelden siedelten. Eine Urkunde weist darauf hin, dass es in Lörrach schon im Jahr 1620 fastnächtliche Umtriebe gab. Die organisierte Fasnacht wurde vom Nazi-Bürgermeister Reinhard Boos forciert. Die NSDAP wollte eine alemannische Fasnacht, germanisch, aber einheitlich sortiert. Sie ordnete die chaotische und vielfältige Fasnacht im Land. Wer also hat das Urheberrecht auf die "echte" Fasnacht? Und was soll das überhaupt sein?

Übrigens: Wann am Dreikönigstag die Fasnacht beginnt, noch nicht einmal dazu herrscht Einigkeit. In manchen Orten beginnt sie mit dem letzten Glockenschlag des Mittagsläutens, in anderen erst abends.
Weitere Termine

Cliquenabend der Narrenzunft Hausen am Freitag, 10. Januar, um 20 Uhr in der Festhalle, Hebelstraße 28.

Ball "Gugge am Ring" mit Guggen aus Deutschland und der Schweiz in Schopfheim am Samstag, 11. Januar, ab 15 Uhr in der Schopfheimer Stadthalle, Hauptstraße 11.