Personalengpass

An deutschen Flughäfen arbeiten weniger Hilfskräfte aus der Türkei als geplant

Michael Gabel und Björn Hartmann

Von Michael Gabel & Björn Hartmann

Do, 11. August 2022 um 19:22 Uhr

Wirtschaft

Rund 2000 Hilfskräfte aus der Türkei sollten die Abfertigung an deutschen Flughäfen entlasten. Doch um das Thema ist es still geworden. Die Flughafenbetreiber haben sich wohl anderweitig beholfen.

2000 Flughafenmitarbeiter aus dem Ausland sollten nach chaotischen Szenen im Juni die Personalnot an deutschen Flughäfen lindern. Doch bisher hat nur ein einziger Bewerber die dafür nötigen Unterlagen beisammen. Die Flughafenbetreiber behelfen sich offenbar anders.

Bei der Dienstleistung Verdi heißt es, die geringe Zahl an Bewerbern für die Hilfstätigkeiten an den Flughäfen sei "erwartbar" gewesen. "Bundesregierung und Luftfahrtbranche haben unterschätzt, wie lange es dauert, bis jemand aus dem Nicht-EU-Ausland eine Arbeitsgenehmigung in Deutschland bekommt. An diesem Zustand hat sich in den vergangenen Wochen im Grundsatz nichts geändert", sagt Dennis Dacke von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Laut Auswärtigem Amt haben bisher 44 potenzielle Arbeitskräfte ein Visum beantragt, nur ein einziger Antragsteller konnte die notwendige Sicherheitsüberprüfung für die Tätigkeit etwa bei der Gepäckabfertigung oder bei der Sicherheitskontrolle vorweisen. "Aus der Türkei werden 145, vielleicht 150 Mitarbeiter kommen, um zu helfen", sagt Thomas Richter, Präsident des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister und einer der treibenden Kräfte hinter der Idee. "Sie werden an den Flughäfen Nürnberg und München eingesetzt."

Offenbar genug Personal aus Deutschland eingestellt

Vor allem wegen Personalmangels waren in den vergangenen Wochen in Deutschland Tausende Flüge ausgefallen. Die Rekrutierung von Arbeitskräften aus der Türkei sollte Linderung schaffen. "Wir haben schon damals, als die Idee aufkam, gesagt, dass man die Abfertigungsprobleme an den deutschen Flugplätzen nicht mit schnell rekrutiertem Personal aus dem Ausland lösen kann, und so ist es auch gekommen", sagt Verdi-Mann Dacke. Aus seiner Sicht wären "höhere Löhne wichtig, genauso wie attraktivere Arbeitsbedingungen". Denn auch durch den Erfolg der Billigflieger sei die Arbeitsbelastung an den Flughäfen in den vergangenen Jahren auf etwa das Doppelte gestiegen.

Dass weniger Arbeitskräfte aus der Türkei kommen, als ursprünglich gedacht, stellt Arbeitgeber-Vertreter Richter nicht in Abrede. Von einem Flop will er aber nicht sprechen. Die hiesigen Flughafenbetreiber hätten sich zu helfen gewusst. Der türkische Dienstleister habe eine Zahl von 2000 Personen als Maximum genannt. Der erste Bedarf in Deutschland habe bei rund 1300 Personen gelegen. Es sei um "helfende Hände" für das Be- und Entladen von Flugzeugen gegangen.

Im Lauf der Zeit sei der Bedarf auf 450 bis 500 Personen geschrumpft, weil es den Unternehmen gelungen sei, in Deutschland mehr Personal zu finden, sagt Richter. Geholfen haben offenbar einige Tarifabschlüsse, die vor allem für die unteren Lohngruppen mehr Geld vorsehen. Noch vergangene Woche war von 250 türkischen Arbeitskräften die Rede. Vor einigen Tagen sprang, wie zu hören ist, der Flughafen Frankfurt ab – kein Bedarf mehr, weil offenbar genug Personal aus Deutschland eingestellt werden konnte.



"Die Lage an vielen Flughäfen hat sich auch entspannt, weil die Zulassungsprozesse unter anderem wegen der türkischen Helfer beschleunigt wurden. So dauert die nötige Zuverlässigkeitsprüfung nicht mehr bis zu zwölf Wochen, sondern ist teils nach zwei Wochen beschieden", sagt Richter. Deshalb konnten Mitarbeiter vor Ort, die noch in der Überprüfung steckten, zügiger eingesetzt werden.

Ob die Engpässe bei der Abfertigung damit beseitigt sind, ist allerdings unklar. Der Flughafen Düsseldorf verkündete, die Probleme würden sich hinziehen. In München laufen Tarifverhandlungen mit einem Bodendienstleister, es gab diese Woche Warnstreiks. Die Engpässe bei den Sicherheitskontrollen sind mit Sicherheit nicht behoben. Hier stand es nie zur Debatte, Arbeitskräfte aus der Türkei anzuheuern. Dafür gibt es eine positive Nachricht aus der Hauptstadt: Am Pannenflughafen BER lief der Betrieb bisher gut.

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