Finanzexperte

Anbieter-Wechsel beim Gas kann sich für die Kunden lohnen

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Mi, 13. Oktober 2021 um 11:05 Uhr

Wirtschaft

Für viele Haushalte wird das Heizen im Winter teurer. Es gibt aber Möglichkeiten, die Kosten einzugrenzen, weiß Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip.

BZ: Herr Tenhagen, können Mieter, die mit Gas heizen, der Preisexplosion überhaupt entgehen?
Hermann-Josef Tenhagen: Eine Preisexplosion droht Verbrauchern nicht, Preissteigerungen aber schon. Als Mieter mit einer Gaszentralheizung können Sie dagegen gar nichts tun, außer Energie einzusparen. Das gilt auch für Wohneigentümergemeinschaften. Mein Tipp ist, die Rückzahlungen für das Jahr 2020, in dem das Gas sehr billig war, als Rücklage für die im kommenden Jahr fällige Nachzahlung beiseite zu legen. Wenn es schon für 2020 keine Rückzahlung gab, ist es kein gutes Zeichen. Dann wird der kommende Winter teuer.

"Nach einer Erhöhung heißt es dann: Preise vergleichen"
BZ: Wie sieht es beim Betrieb einer Gasetagenheizung aus?
Tenhagen: Wer eine Gasetagenheizung hat, kann den Anbieter wechseln. Doch dafür ist jetzt nicht der günstigste Zeitpunkt. Besser ist es, abzuwarten, ob der bisherige Anbieter die Preise erhöht. Bisher haben das längst nicht alle Unternehmen getan oder angekündigt. Nach einer Erhöhung heißt es dann: Preise vergleichen. Wir bieten bei Finanztip einen Rechner (http://www.finanztip.de/gaspreisvergleich Generell empfiehlt sich dann der Wechsel zu einem großen Stadtwerk, gern auch mit einem Bonus beim Vertragsabschluss und der vertraglichen Möglichkeit, im nächsten Jahr erneut zu wechseln. Doch billiger wird es vermutlich nicht, nur nicht viel teurer.



BZ: Worauf sollten Kunden beim Wechsel achten?
Tenhagen: Es gibt Anbieter, die mit Boni um Kunden werben. Der Wechsel kann sich für die Kunden lohnen. Ein paar hundert Euro Ersparnis im ersten Jahr sind durchaus drin. Kunden müssen aber aufpassen. Wenn man den richtigen Kündigungstermin verpasst, verlängert sich der Vertrag oft automatisch um ein weiteres Jahr. Ohne Bonus wird es viel teurer, wird aus dem Vertrag schnell ein Zuschussgeschäft. Daher sollte man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen genau lesen, bevor man sich auf einen Wechsel mit Bonus einlässt. Im kommenden Frühjahr ändert sich die Rechtslage zum Glück. Dann wird ein monatliches Kündigungsrecht eingeführt.

"Der Wechsel selbst ist total einfach"
BZ: Gibt es weitere Haken beim Wechsel?
Tenhagen: Nein, der Wechsel selbst ist total einfach. Und sicher wird die Bude niemals kalt. Denn notfalls muss der Grundversorger das Gas liefern, etwa wenn Ihr Anbieter pleite geht. Die Grundversorger sind übrigens teurer als andere Anbieter. Sie müssen auch an ihre Kommunen mehr abführen. So kommen zum Teil auch gewaltige Preisunterschiede zwischen einzelnen Städten zustande. In Oberhausen bezahlen Sie in der Grundversorgung für ein großes Haus im Jahr 500 Euro mehr als in Köln.

BZ: Wie lassen sich die sozialen Härten des Preisschocks abmildern?
Tenhagen: Ein einfacher Weg ist die Erhöhung des Wohngelds zum 1. Januar. Mit zehn oder 15 Euro mehr im Monat wäre ärmeren Haushalten schon viel geholfen. Vor allem aber sollten alle zum Wohngeld berechtigten Haushalte es auch bekommen. Momentan erhalten 660.000 Haushalte den Zuschuss, zwei Millionen wären aber berechtigt. Das Verfahren muss also vereinfacht werden. Bei Empfängern von Hartz IV sollte die Warmmiete bezahlt werden. Dann wäre auch dieser Gruppe geholfen.
Zur Person

Hermann-Josef Tenhagen (58)ist seit 2014 Chefredakteur des Ratgebers Finanztip. Bis dahin war er Chefredakteur bei Finanztest und vorher Nachrichtenchef bei der BZ.