Leute und Listen

Angelina Flaig von der Linken Liste Solidarische Stadt: "Frühe Bürgerbeteiligung ist wichtig"

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mo, 29. April 2019 um 00:00 Uhr

Freiburg

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Angelina Flaig, Spitzenkandidatin der Linken Liste Soldarische Stadt.

BZ: Sie haben im Januar Ihr Referendariat begonnen – wäre da eine weitere neue Aufgabe nicht ein bisschen viel?

Flaig: Im Gegenteil! Ich war immer politisch aktiv, auch im größten Examensstress. Das ist mir wichtig und es motiviert mich.
"Wir brauchen einen Neustart in der Wohnungspolitik und die konsequente Umsetzung von 50-Prozent-Quote und Zweckentfremdungssatzung: Nur ohne prekäres Wohnen ist Teilhabe möglich."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Flaig: Wir stehen für ein soziales, ökologisches und vielfältiges Freiburg, in dem alle gut leben können. Dafür setzen wir uns bekanntermaßen beharrlich ein: Wir haben zehn Jahre fürs Sozialticket gekämpft. Mit Erfolg.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Flaig: Wir brauchen einen Neustart in der Wohnungspolitik und die konsequente Umsetzung von 50-Prozent-Quote und Zweckentfremdungssatzung: Nur ohne prekäres Wohnen ist Teilhabe möglich.
BZ: Soll Freiburg weiterwachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Flaig: Freiburg wird weiterwachsen. Das müssen wir beim Flächennutzungsplan berücksichtigen, um das Wachstum eines Tages sozial und ökologisch gestalten zu können.
Angelina Flaig, 25, Referendarin für Deutsch und Geschichte an einer Freiburger Gewerbeschule, engagiert sich seit vielen Jahren für die soziale Teilhabe aller. Sie ist verheiratet und lebt in Zähringen.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Flaig: Es hätte keinen Sinn gemacht, die 70 Millionen für dringend nötige Investitionen aufzuschieben. Jetzt ist die Einnahmensituation gut – und Investition schafft Werte.

BZ: Was wäre Ihre Traumveranstaltung fürs Stadtjubiläum?
Flaig: Ein Open Air-Konzert für alle mit richtig tollen Bands, umsonst und draußen! Und bitte: keine Prestigeveranstaltung für wenige!

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Flaig:... eine Verschwendung von Geld und Ressourcen, die man besser in qualifizierte Präventionsarbeit stecken sollte.

"Frühzeitige Bürgerbeteiligung ist wichtig – und auch, mit Gegenstimmen aktionsfähig zu bleiben."

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Flaig: Konflikte und Widerstand gehören zur Demokratie dazu und wir müssen sie aushalten! Frühzeitige Bürgerbeteiligung ist wichtig – und auch, mit Gegenstimmen aktionsfähig zu bleiben.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Flaig: Da es uns um Inhalte geht und da wir auf Mehrheiten angewiesen sind, sind wir für alle Kooperationen offen – außer mit der AfD.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Flaig: Top war natürlich das Sozialticket. Und der größte Flop war mit Sicherheit der Verkauf des EKZ Landwasser an Unmüssig mit null Prozent geförderten Mietwohnungen.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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