Debbie Harry

ANGERISSEN: Pop-Perlen und Punk-Attitüde

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Di, 30. Juni 2020

Rock & Pop

Sie war eine der wichtigsten Frauenstimmen des New Wave, verband eine Punk-Attitüde mit Pop-Perlen wie "Sunday Girl", "Call me", "Denis" oder "Heart of Glass", die kaum an Glanz und Drive verloren haben. Künstlerinnen von Kim Wilde und Madonna bis hin zu Courtney Love und Lady Gaga ließen sich von ihr inspirieren. Am heutigen Mittwoch wird Debbie Harry, Sängerin der Band Blondie, 75 Jahre alt.

Als Frontfrau war Harry auch optisch der Mittelpunkt der Band, sie spielte mit einem offensiven Sex-Appeal, als dies für eine Frau im Pop weit ungewöhnlicher war als später. Von ähnlichem Gespür und Lässigkeit war ein gutes halbes Jahrzehnt hinweg ihr Umgang mit den Stilen. Da waren der treibende Disco-Beat von "Heart of Glass", die schleppenden Reggae-Rhythmen von "The Tide is high". Und da war "Rapture", der Titel mit dem Harry die erste Single mit Rap-Gesang, die es auf Platz 1 der US-Charts schaffte, gelang und der Stilrichtung ein neues Publikum erschloss.

Das Mädchen aus New Jersey, das als Angela Trimble geboren und von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben wurde, sang erst im Kirchenchor und machte in den 60ern mit "The Wind in the Willows" noch Hippie-Folk-Rock. Als Kellnerin im von der Künstler-Szene frequentierten New Yorker Club "Max’s Kansas City" lernte Harry Andy Warhol, Jimi Hendrix, David Bowie und Iggy Pop kennen. Noch wichtiger für sie sollte ein anderer Mann werden: Als Sängerin im Girl-Trio The Stilettos traf Harry auf den fünf Jahre jüngeren Chris Stein. Der Beginn einer großen Liebes- und Arbeitsbeziehung – und einer Freundschaft für das Leben. 1974 gründeten sie Blondie.

Harrys Solo-Album "Koo-Koo" markierte schon in den frühen 80ern einen Wendepunkt in der Karriere, die Band hatte auch miteinander Probleme. Später erkrankte Chris Stein schwer und lange, Harry umsorgte ihn. Sie verlagerte sich auf Filmrollen, mit dem lieblichen "French Kissin" gab es für Debbie Harry 1986 noch einen Hit, 1999 riefen Blondie sich mit dem an alte Erfolge erinnernden "Maria" nochmal verstärkt in Erinnerung. 2019 veröffentlichte Harry unter dem Titel "Face it" eine Autobiographie eines auch von Schicksalsschlägen und Drogenproblemen geprägten Lebens.