"Gottschalk liest?"

ANGERISSEN: Smalltalk über Literatur

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Do, 21. März 2019

Literatur & Vorträge

Bescheidenheit war noch nie seine hervorstechendste Eigenschaft. Da passt es ja, dass Thomas Gottschalk, mit 68 Jahren in die Heimatanstalt Bayerischer Rundfunk zurückgekehrt, die "Aussöhnung von Literatur und Unterhaltung" verspricht. Einfach so. In der aus Augsburg gesendeten Premiere von "Gottschalk liest?" schafft er es, 470 000 Zuschauerinnen und Zuschauer für sich und seine vier Gäste zu interessieren. Laut BR hat der noch immer bunt gekleidete Dampfplauderer damit aus dem Stand die Einschaltquoten auf dem – nicht übermäßig attraktiven – Sendeplatz am Mittwochabend um 22 Uhr verdoppelt.

Vielleicht ist das so, weil, wo Gottschalk draufsteht, auch immer Gottschalk drin ist. Anders ausgedrückt: Weil die Zuschauer wissen, was sie erwartet. Einen gut gelaunten Entertainer, der die Disziplin des smalltalk einwandfrei beherrscht. Ob er, wie bei "Wetten, dass..?" so häufig bewiesen, vor der Liveschaltung die Zuschauer "aufwärmt", mit Hollywoodgrößen plaudert oder deutschen Politikern ein entspanntes Lächeln ins Gesicht zaubert: Der Mann kann mit Leuten. Natürlich auch mit Schriftstellern.

Die Idee für die Sendung ist: Die Bücher – diesmal: zwei Romane, ein Erzähl- und ein Bildband – werden kurz in Einspielfilmen vorgestellt, Gottschalk parliert dann mit den Autorinnen und Autoren über das neue Werk. Sarah Kuttner, Vea Kaiser und Daniel Biskup machen es ihm leicht – man duzt sich, und Gottschalk hat dank Handzettel immer eine Ahnung, worum es im Buch geht. Ansonsten wird improvisiert. Ferdinand von Schirach ist der anspruchsvollste Gast – die melancholische Grundstimmung des Ex-Anwalts will nicht so recht ins Sendekonzept passen. Über Literatur erfahren die Zuschauer ein wenig, unterhaltsam sind die 45 Minuten. Sieht so aus, als habe Gottschalk sein Versprechen gehalten.