Anwohner ärgern sich über radikalen Baumschnitt

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Do, 13. Februar 2020

Breisach

In der Zeppelinstraße wurden zehn Linden gestutzt.

BREISACH. Vier Anwohnerinnen der Zeppelinstraße wollten am Dienstagabend in der Frageviertelstunde der Breisacher Gemeinderatssitzung von der Stadtverwaltung wissen, warum zehn Linden in ihrer Straße bis auf die Köpfe geschnitten worden seien. Sie hätten von Peter Klug, dem Baumsachverständigen der Stadt, die Auskunft erhalten, dass dadurch Wasser in die Bäume dringen und diese schädigen könne.

"Es gibt einen fast wissenschaftlichen Streit, wie Bäume geschnitten werden sollen", antwortete Bürgermeister Oliver Rein. Die Stadtverwaltung lasse die Bäume im Stadtgebiet von einem Baumsachverständigen begutachten und befolge in der Regel auch dessen Empfehlungen.

Das Stadtoberhaupt zeigte sich nicht nur überrascht von der Aussage, die Klug gegenüber den Anwohnerinnen gemacht hatte, sondern auch etwas erbost: "Herr Klug verdient viel Geld mit uns. Wenn er die Stadt so reinlaufen lässt, holen wir uns einen anderen Baumsachverständigen." Rein konnte sich an Zeiten vor etwa 15 Jahren erinnern, in denen ernsthaft darüber nachgedacht worden sei, die Linden in der Zeppelinstraße zu fällen, weil ihre Wurzeln Straßen und Bürgersteige beschädigen und deshalb immer wieder Kosten für den Steuerzahler verursachen. Glücklicherweise habe man diese Pläne aber nicht umgesetzt.

"Die Linden bleiben auf jeden Fall stehen", legte sich der Rathauschef fest. Die öffentliche Hand müsse heute vielmehr große Bäume in die Städte pflanzen, weil viele Grundstückseigentümer in ihren Gärten meist nur noch Sträucher stehen hätten. Die Stadt lasse auch nicht alle Bäume in Breisach bis auf den Kopf stutzen, sondern nur dort, wo es angebracht sei.

Viele Anrufe und Mails
Der Beigeordnete Carsten Müller berichtete von zahlreichen Mails und Anrufen von Bürgerinnen und Bürgern. Etwa 50 Prozent wollten Bäume vor ihren Wohnungen haben und etwa 50 Prozent nicht. Die eine Hälfte wolle sie so und die andere Hälfte wieder anders geschnitten haben. "Wir müssen uns bei abertausenden Bäumen im Stadtgebiet auf den Rat der Fachleute verlassen", betonte Müller, der den vier Anwohnerinnen anbot, bei einem persönlichen Treffen das Thema ausführlich zu besprechen. Bis zu der Zusammenkunft wolle er sich genauer informieren, warum dort die Linden so geschnitten worden seien.

Oliver Rein ergänzte noch, dass die Bäume schon lange so gestutzt worden seien und sich daran gewöhnt hätten. Dem widersprach eine Anwohnerin. Sie wohne jetzt schon lange in der Zeppelinstraße und könne sich nicht daran erinnern, dass die Bäume vor 20 Jahren schon so gestutzt worden seien.