Festivalsaison

Apache 207 ist der Star der Stunde und kommt nach Freiburg

Peter Disch

Von Peter Disch

So, 06. August 2023 um 10:52 Uhr

Rock & Pop

Die Popfestivalsaison in Südbaden ist so gut wie zu Ende. Die Bilanz fällt positiv aus, aber das größte Event steht noch bevor. Apache 207, Star der Stunde, kommt nach Freiburg.

HipHop ist die Musik der Generation unter 30. Ein Drittel dieser Altersgruppe bezeichnet den internationalen und den deutschen HipHop als seine Lieblingsmusik, sagt der Bundesverband der deutschen Musikindustrie. Seit der Jahrtausendwende haben sich deshalb eine Reihe reiner HipHop-Open-Airs etabliert. Dazu zählt das Heroes-Festival. Es fand 2019 erstmals in Unterfranken stattfand, und entwickelte sich danach mit einem konsequent deutschen Programm zum expansiven Franchiseunternehmen mit Standorten in Hannover, im Allgäu und seit 2022 auch in Freiburg.

Anfahrt: Tickets für Parkplätze für das Apache-Konzert

Apache 207 ist auf Festivals und zahlreichen Open Airs

Örtlicher Veranstalter ist die Agentur Kokon aus Konstanz. Geschäftsführer Xhavit Hyseni erwartet im zweiten Jahr wieder mindestens 12.000 Besucher und Besucherinnen auf dem Messegelände. Das Rezept: Die Etablierten wie Marteria, Cro, und Kool Savas, deren Karrieren in den Nullerjahren Fahrt aufnahmen, treffen auf die junge, nicht minder erfolgreiche Generation wie 01099, Juju, Luciano, Ssio oder Ufo 361.

Über allem aber schwebt Apache 207. Der Rapper aus Ludwigshafen tritt zwar auch auf ausgewählten Festivals auf. Sein Status erlaubt es ihm aber, eigene Open Airs zu veranstalten. Sechs Termine im August und September sind ausverkauft, unter anderem tritt er dreimal hintereinander auf der Berliner Waldbühne auf, die über 22.000 Menschen fasst.

Für Freiburg gibt es noch Tickets

Nur für den Auftritt am 12. August in Freiburg gibt es noch Karten. Das aber auch nur weil Veranstalter Vaddi Concerts wegen des großen Andrangs die Kapazität auf dem Messegelände mehrfach erhöht hat. "Es wird das bisher größte Einzelkonzert seiner Karriere", sagt Vaddi-Geschäftsführer Marc Oßwald, dessen Agentur mit 46.000 bis 50.000 Besuchern rechnet. Schon jetzt ist klar, dass der Auftritt damit zu den publikumsträchtigsten in der Geschichte der Stadt zählen wird. Apache 207 stößt damit in eine Region vor, die in Freiburg davor nur Die Toten Hosen und Herbert Grönemeyer erreicht haben. In einer Reihe mit einer der größten Rockbands des Landes und dem Elder Statesman des deutschen Pop – da stellt sich nebenbei auch die Frage, ob der Rapper seinem Genre nicht sowieso schon entwachsen ist. Denn durch den gemeinsamen Nummer-1-Song "Komet" mit Udo Lindenberg hat er die Tür zur Mitte der Gesellschaft aufgestoßen. Die Zukunft wird zeigen, ob er den Weg vom Genrestar zum Mainstreamphänomen fortsetzen will und kann.

Der Aufwand für das Konzert von Apache 207 ist immens

Bis zum Auftritt von Apache 207 hat Marc Oßwald noch jede Menge zu tun. Der Aufwand ist immens, mehr Publikum bedeutet auch mehr Personal und Technik, zum Beispiel zusätzliche Videoprojektionsflächen, damit die Besucherinnen und Besucher, die weiter hinten stehen werden, vom Geschehen au der Bühne mehr sehen als es das bloße Auge erlaubt. Die meisten von Oßwalds Kollegen dürften da schon ihren Sommerurlaub genießen. Bundesweit läuft die Saison noch bis in den September auf Hochtouren, mit vielen mehrtägige Festivals, zu denen jeweils mehrere zehntausend Besucher erwartet und auch gebraucht werden, damit sich das Ganze rechnet.

Die Festivallandschaft in Südbaden ist klein

Die südbadische Festivallandschaft fällt mit einer Ausnahme nicht in diese Kategorie. Sie ist kleinteiliger, bewegt sich in einer Größenordnung von bis zu 6000 Besucherinnen und Besuchern. Von den Veranstaltern kommen – trotz Kostensteigerungen von im Schnitt 40 Prozent quer durch alle Gewerke, die für ein Festival notwendig sind – positive Rückmeldungen. 44.000 Tickets wurden für die Konzerte in den beiden Spielstätten des Freiburger Zelt-Musik-Festivals (ZMF) verkauft, im Rekordjahr 2022 wurden 50.000 Konzertbesuchende gezählt. "Wir sind dennoch zufrieden, wir hatten eine höhere Ticketnachfrage als vor der Corona-Pause", sagt ZMF-Geschäftsführerin Hanna Teepe.

Lörrachs Stimmen-Festival schließt mit 23.000 Besuchern ab, 18.000 davon waren bei den Konzerten auf dem Marktplatz. Vor einem Jahr kamen bei weniger Veranstaltungen 22.000. Die Zahlen hängen mit dem Charakter des Festivals zusammen, durch den es in Südbaden eine Ausnahme ist: Es hat einen Kulturauftrag. Stimmen habe als von der Stadt und dem Land subventioniertes Festival stets auch Nischen zu besetzen, erklärt Geschäftsführer Timo Sadovnik.

Christoph Römmler von der Teninger Agentur Karo Events zeigt sich mit der Saison zufrieden: Gut besuchte bis ausverkaufte Konzerte bei seinen jährlichen Festivals in Schwenningen, Emmendingen, Schopfheim und dem einmalig veranstalten "Rock N’ Fire" in Kirchzarten, mehr als 23.000 Besucher und Besucherinnen bei der Premiere der mit dem Veranstalterbündnis Freiburg Live! kuratierten Konzerte auf dem Münsterplatz – das Problem, dass der Technikturm bei den Stehkonzerten Hunderten Besuchern die freie Sicht auf die Bühne nahm, werde angegangen.

Auch das Wetter muss gut genug sein

Zu einer positiven Bilanz gehört aber auch Glück – mit dem Wetter. Während es überall geschüttet hat, blieb es am letzten Juliwochenende bei Karos, mit 2500 Besucher ausverkauften Cover Nights in Müllheim trocken.

Der gewitterbedingte Abbruch an einem der drei Tage des Elektro-Festivals Sea You am Freiburger Tunisee war aus Sicht von Veranstalter Bela Gurath der einzige Wermutstropfen. Mit einem Budget von 6,6 Millionen Euro spielt die Sea You in Südbaden in einer eigenen Liga. Mit 62.000 Besuchern war die Sea You in einem für die Branche schwierigen Jahr wieder ausverkauft. In den nächsten zwei, drei Jahren lasse sich die Besucherzahl noch in kleinen Tausender-Schritten steigern, dann sei die Kapazitätsgrenze erreicht. Wichtig sei, sich nicht auf seinen Erfolgen auszuruhen: "Same same bedeutet Rückschritt."

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