BZ-Interview

Arbeitsagentur-Vorstand: Flüchtlinge werden nicht besser behandelt

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 11. April 2016 um 14:13 Uhr

Wirtschaft

Die Bemühungen, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, gehen laut Bundesagentur für Arbeit nicht zu Lasten einheimischer Arbeitsloser. Damit es keine verstärkte Konkurrenz um die Hilfe von Arbeitsvermittlern gebe, würden in den Jobcentern bis Jahresende 2800 Mitarbeiter eingestellt.

Die jüngst nach Deutschland Geflüchteten werden auf dem Arbeitsmarkt nur punktuell in Konkurrenz zu Einheimischen treten. Das sagt Detlef Scheele, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), im Gespräch mit Ronny Gert Bürckholdt. Mehr Wettbewerb werde es vor allem mit gering qualifizierten Menschen geben, die früher eingewandert sind.
BZ: Herr Scheele, gehen die Bemühungen, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, zulasten einheimischer Arbeitsloser?
Scheele: Nein, das tun sie nicht. Es gibt in der Arbeitsmarktpolitik kein einziges Sonderprogramm für Flüchtlinge. Wir wenden uns bei der Arbeitsmarktintegration allen Menschen mit der gleichen Energie zu.
BZ: Ein Vermittler kann sich zur gleichen Zeit nur um einen Menschen kümmern, und die Zahl der Arbeitssuchenden steigt.
Scheele: Deshalb stellen wir Mitarbeiter ein – bis Jahresende werden es 2800 zusätzliche allein in den Jobcentern sein. Wir stellen sie nicht nur für die Flüchtlinge ein, sondern um ein Konkurrenzverhältnis zwischen Einheimischen und Zugewanderten zu verhindern. Wir haben auch zusätzliches Geld bekommen. Ich sehe niemanden, der sich berechtigterweise wegen der Bemühungen um die Integration von Flüchtlingen benachteiligt sehen muss.
BZ: Was geschieht auf dem Arbeitsmarkt – mehr Bewerber für eine Stelle?
Scheele: Schauen wir uns die Situation an. Vergangenes Jahr sind etwa eine Million Schutzsuchende gekommen. Wir nehmen an, dass die Hälfte von ihnen bleiben kann. Davon wiederum dürften 70 Prozent erwerbsfähig sein, also etwa 350 000. In Deutschland sind gut 31 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig ...

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