Interview zur Abschiebung

"Asylbewerber dürfen ein Jahr nicht arbeiten"

Andrius Volkovas, Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule, BVJ 1

Von Andrius Volkovas, Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule & BVJ 1

Do, 29. März 2012 um 08:55 Uhr

Schülertexte

Welche Rechte haben Asylbewerber in Deutschland? Wovon leben sie? Und was passiert, wenn sie abgeschoben werden? Andrius Volkovas, Schüler der Klasse BVJ1 der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule, sprach darüber mit Willy Rauchs (Fördergesellschaft der Handwerkskammer), Schulsozialarbeiter am Berufsschulzentrum Bissierstraße und Mitarbeiter im Projektverbund "Bleiberecht" in Freiburg.

Zischup: Wann kann ein Ausländer abgeschoben werden?
Willy Rauchs: Wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde oder auch wenn er straffällig wird.

Zischup: Wer entscheidet, ob jemand abgeschoben wird?
Rauchs: Die Ausländerbehörden der Stadt, in der ein Ausländer gemeldet ist, wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde. Bei Straftaten sind die Strafgerichte am Urteil beteiligt.

Zischup: Wie viel Zeit hat ein Ausländer, wenn er die Abschiebungspapiere bekommen hat?
Rauchs: Wenn das Gericht entschieden hat und der Brief gelesen wurde, hat der Ausländer manchmal noch fünfzehn Tage, um das Land zu verlassen. Manchmal haben Ausländer auch einen Monat Zeit. Gegen den Bescheid kann Widerspruch eingelegt werden.

Zischup: Wer kann Asyl beantragen?
Rauchs: Asyl beantragen können Ausländer und Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland verfolgt sind. Aus politischen Gründen kann in Deutschland Asyl beantragt werden. Außerdem kommen Flüchtlinge nach Deutschland, die wegen ihrer Religion verfolgt werden.

Zischup: Wo wohnen Leute, die Asyl beantragt haben?
Rauchs: Normalerweise in einem Flüchtlingswohnheim. Jugendliche unter 18, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, werden in einer Jugendhilfeeinrichtung, zum Beispiel in eine Wohngruppe, untergebracht.

Zischup: Dürfen Ausländer sofort in Deutschland arbeiten?
Rauchs: Nein. Jemand, der Asyl beantragt hat, ist ein Jahr nicht arbeitsberechtigt. Danach dürfen Ausländer arbeiten. Sie müssen aber das Ausländeramt um Erlaubnis fragen. Das Ausländeramt prüft, ob ein Arbeitsplatz nicht durch einen Deutschen besetzt werden kann.

Zischup: Wie viel Geld bekommen Asylanten oder Flüchtlinge?
Rauchs: Sie bekommen 40 Euro Bargeld und eine Chipkarte, die mit etwa 180 Euro monatlich aufgeladen wird. Damit können sie in bestimmten Läden Lebensmittel und Kleidung einkaufen. Bei anerkannten Flüchtlingen wird der Betrag ausgezahlt oder auf ein Konto überwiesen.

Zischup: Was ist, wenn Ausländer staatenlos sind wie beispielsweise Kurden, Roma, Sinti, und sie nicht abgeschoben werden können?
Rauchs: Dann bekommen sie eine Duldung. Das heißt, dass die Abschiebung ausgesetzt wird. Sie müssen alle drei Monate zum Ausländeramt, um ihre Papiere verlängern zu lassen.