AUCH DAS NOCH: Die Wölfe und der Schweigefuchs

bür/AFP

Von Ronny Gert Bürckholdt & AFP

Mi, 10. Oktober 2018

Deutschland

In der deutschen Politik werden Stimmen laut, den sogenannten Wolfsgruß türkischer Ultranationalisten zu verbieten. CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries fordert via Bild-Zeitung ein Verbot der ultranationalistischen Grauen Wölfe, ihrer Symbole und Gesten: "Jede Form des Faschismus ist menschenverachtend und eine Bedrohung für unsere freiheitliche Gesellschaft."  Ähnlich äußerte sich die Vize-Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Sevim Dagdelen: "Der Gruß der Grauen Wölfe, einer der größten rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen Organisationen in Deutschland, ist mit dem Hitler-Gruß durchaus vergleichbar und sollte daher verboten werden." Österreich bereitet bereits ein Verbot der berüchtigten Geste vor.

  Bei den Grauen Wölfen handelt es sich um Anhänger der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP). Beim Wolfsgruß werden zwei Finger einer Hand als Ohren abgespreizt und die anderen drei zur Schnauze geformt. 2017 sorgte der Wolfsgruß in Deutschland für einige Aufregung, als der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu ihn bei seinem Auftritt in der Residenz des türkischen Konsuls in Hamburg zeigte.

 In der Praxis könnte ein mögliches Verbot dieser Geste allerdings für erhebliche Irritationen sorgen. Denn sie wird in Deutschland tagtäglich millionenfach benutzt – in Kitas und in Schulen, natürlich auch von türkischstämmigen Kindern, freilich aber in ganz anderem Kontext. Der sogenannte Schweigefuchs (auch: Leisefuchs) soll Kinder dazu anhalten, mal kurz ihren Mund zu halten und die Ohren aufzusperren. Das sieht genauso aus wie der Wolfsgruß. Vielleicht wäre es eine gute Idee, den Ultranationalisten mal den Schweigefuchs zu zeigen. Ob sie das verstehen würden?