Gemeinderat beschließt nach längerer Diskussion

Auf dem Breisacher Marktplatz werden keine neuen Bäume gepflanzt

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Di, 06. April 2021 um 18:07 Uhr

Breisach

Auf dem Breisacher Marktplatz wird die Stadt keine Sonnensegel installieren oder neue Bäume pflanzen, um im Sommer mehr Schatten zu erhalten. Das hat der Gemeinderat entschieden

An anderen Plätzen der Stadt oder in Neubaugebieten sollen dagegen zahlreiche Bäume und Sträucher für ein besseres Klima sorgen. Dies beschloss der Breisacher Gemeinderat nach einer langen und teilweise auch emotional geführten Diskussion.

Anlass für die Aussprache waren zwei Anträge der Grünen und der Umweltliste/Tierschutzpartei (ULB/TSP). Die Grünen hatten moniert, dass im Sommer zu wenig Schatten auf dem Breisacher Marktplatz zu finden ist. Da aufgrund des Untergrunds dort wohl keine neuen Bäume mehr gepflanzt werden könnten, forderten sie Sonnensegel, Sonnenschirme oder andere Möglichkeiten der Beschattung. ULB und TSP hatten in einem separaten Antrag angeregt, dass der Gemeinderat beschließen soll, dass auf dem Marktplatz sowie auf allen öffentlichen Plätzen – einschließlich der Spielplätze – mehr Bäume und Sträucher in die Erde kommen sollen. Dies könne eine weitere kleine Aktion gegen den Klimawandel sein.

Auch die Stadt will mehr Bäume
"Wir wollen auch größere Bäume in der Stadt pflanzen oder ganze Alleen bekommen", betonte Bürgermeister Oliver Rein. Dass die Stadtverwaltung dieses Ansinnen verfolge, sehe man zum Beispiel in den jüngsten Entwürfen oder Überlegungen zu den Baugebieten "Gässle" in Niederrimsingen, "Neumatten" und "Wasserloch" in Oberrimsingen, "Vogesenstraße III" in Breisach oder "Steingässle" in Gündlingen. Dort, wo bereits schon Häuser stehen, sei dieser Prozess nur langfristig umsetzbar. Immer, wenn es möglich sei, werde die Verwaltung jedoch nach dieser Maxime handeln.

Zehn große Kübel
Rein erinnerte daran, dass früher fast jeder Häuslebauer auf seinem zehn Ar großen Baugrundstück ein oder zwei größere Bäume im Garten stehen hatte. Heute seien die Bauplätze dagegen in der Regel nur noch vier Ar groß. "Also muss die Stadt versuchen, in Wege, im öffentlichen Raum und auf Plätzen mehr Bäume zu bekommen", folgerte der Rathauschef.

Mehr Bäume auf dem Breisacher Marktplatz lehnte er dagegen ab. Rein erinnerte an den Architektenwettbewerb und an die zahlreichen Diskussionen und Abstimmungen, die es im Vorfeld der Neugestaltung gegeben habe. "Erstens gibt es auf dem Marktplatz Bäume und zweitens wollen wir den Marktplatz für größere Veranstaltungen freihalten", erklärte er.

In größeren Städten finde man fast immer freie Plätze für größere Events. Ein großes Sonnensegel sei nur mit beträchtlichen Umbauten auf dem Marktplatz zu installieren und würde zudem nicht gut aussehen. Die Stadt werde aber zusätzlich zehn große Kübel auf dem Marktplatz aufstellen. Zudem sei ja dort noch das Fontänenfeld zu finden.

Die Diskussion
CDU-Fraktionssprecher Jacob Loewe schloss sich der Argumentation von Rein an. "Die Ausgestaltung der Innenstadt ist nicht defizitär, wie es die Grünen sagen", betonte SPD-Fraktionssprecher Frank Kreutner. Alle Fraktionen des Gemeinderats hätten sich bei der Planung für die heutige Gestaltung des Marktplatzes ausgesprochen.

Bewohner und Besucher der Stadt würden die Gestaltung als sehr gelungen empfinden. "Dennoch wäre es sicherlich wünschenswert, dass gerade im Hochsommer mehr Schatten da ist. Deshalb ist es wichtig, dass man offensiv nach anderen Möglichkeiten sucht, zum Beispiel nach grünen Wänden", fügte Kreutner hinzu.

Jürgen Langer, Sprecher der ULB/TSP-Fraktion, sprach sich gegen Sonnensegel aus, jedoch für mehr Bäume auf dem Marktplatz. Barbara Driescher (Grüne) zeigte sich mit der Antwort von Rein nicht zufrieden. Sie hätte sich mehr Ideenreichtum von der Stadtverwaltung gewünscht. "Zehn Baumkübel spenden sicherlich keinen Schatten, vielleicht ist mit Kästen eine Art Pergolabegrünung möglich", sagte sie. Zudem regte sie an, die Verankerung des Weihnachtsbaumes zu nutzen, ein Vorschlag, den Rein prüfen lassen möchte.

Volker Kempf (AfD) findet Selbstkritik positiv. Er regte an, zu schauen, "was ist gelungen und wo könnte man nachbessern". Stefan Schnebelt (BLB) will die Sitzbänke so platziert haben, dass mehr im Schatten stehen. Karl Stefan Fischer (FDP/FWB) sagte, dass die meisten Menschen Sonne und keinen Schatten auf dem Marktplatz suchten. Bei großer Hitze gehe ohnehin kaum jemand auf den Platz.

Viel Lob von Besuchern
Der Beigeordnete Carsten Müller stellte fest, "dass die Gestaltung des Marktplatzes immer noch ein hochemotionales Thema ist". Das größte Lob für einen Platz sei, wenn er angenommen werde, und dies sei bei dem Breisacher Marktplatz sicherlich der Fall. Er spüre, dass man in Breisach sehr kritisch mit dem Marktplatz umgehe, wer von außen komme, dagegen begeistert sei.

Jede Stadt vertrage Plätze mit unterschiedlicher Gestaltung, manche hätten sehr viel Grün und einige eben weniger. Bäume nachträglich auf dem Marktplatz zu pflanzen, gehe nicht, weil im Untergrund zahlreiche Leitungen liegen würden. Die Klimaschutzmanagerin des Landkreises sehe die Gestaltung des Breisacher Marktplatzes übrigens positiv.

Der Antrag der Grünen, den Marktplatz stärker zu beschatten, wurde schließlich mit 23 zu 7 Stimmen abgelehnt. Der Antrag von ULB/TSP, in Breisach und in den Stadtteilen generell mehr Bäume und Sträucher zu pflanzen, wurde dagegen einstimmig angenommen. Oliver Rein sagte zudem auf Anregung von Stefan Schnebelt (BLB) zu, sich über einen Baumpflanzplan für die Stadt Gedanken zu machen.