Flüchtlinge in Südbaden (3)

Auf der Alb fremdeln Flüchtlinge und Einheimische miteinander

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 06. August 2015

Südwest

In Meßstetten auf der Schwäbischen Alb ist seit Oktober eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet – und der gemeinsame Alltag verlangt allen hier einiges ab.

Der Erwin-Gomeringer-Platz neben dem modernen Rathaus ist menschenleer, niemand sitzt auf den am Rand aufgestellten Steinbänken, niemand lehnt sich an die Edelstahlgeländer, kein Gemurmel, kein Lachen übertönt das Geräusch der vorbeifahrenden Autos auf der Hauptstraße. Das Rechteck aus hellgrauen Betonplatten, halb so groß wie ein Fußballfeld, wirkt an diesem Ort falsch dimensioniert – wie so manches in Meßstetten.

Rund um den Platz stehen geduckt Fachwerkhäuser mit kleinen Fenstern, die Dorfkirche ist frisch herausgeputzt, ebenso wie der "Schwanen" und der "Ochsen", der "Dorfkrug" wartet noch drauf. Es gibt Metzger und Bäcker, Apotheke und Bank, Lottoannahmestelle und Juwelier – für Dinge des täglichen Bedarfs ist gesorgt. Es gibt einen Imbiss – ohne Kunden –, und das Eiscafé San Felice hat nicht erst seit gestern geschlossen. Es fehlt an Menschen. Die sind zum Arbeiten nach Albstadt oder Balingen gefahren, Meßstetten ist Auspendlerstadt, sagt Bürgermeister Lothar Mennig. Eine deutsche Kleinstadt an einem normalen Wochentag, ein wenig verlassen.

Und dann gibt es noch einen Platz, namenlos aber belebt. Es ist eine Wiese und sie liegt am Ortsrand vor einer Lidl-Filiale. An warmen Tagen ist sie bevölkert, in diesem Sommer also fast immer. Vor allem junge Menschen halten sich hier auf, sitzen im Gras, reden, essen und trinken. Sie wohnen alle in der Zollernalb-Kaserne am anderen Rand Meßstettens, die heute Erstaufnahmestelle des Landes für Flüchtlinge ist – und nicht allen 10 000 Einwohnern ist so viel Leben auf einem Fleck ganz geheuer.

Das sagen zumindest die Blicke, die sie im Vorbeifahren aus den Autos herüberwerfen, die eiligen Schritte, mit denen sie nach dem Einkauf über den Parkplatz streben, das schreckhafte Zucken, wenn ein Fremder sie anspricht. Es erzählt mehr als die Worte, die eher abgewogen klingen. Auf dem Parkplatz diese ...

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