Natur

Auf der Balz – derzeit singen Uhu und Waldkauz

Bei einem Waldspaziergang in der Dämmerung kann man sie derzeit hören: Eulenarten wie Waldkauz oder Uhu balzen nämlich auch im Herbst.  

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Der Waldkauz ist die häufigste der zehn in Deutschland lebenden Eulenarten.  | Foto: dpa
Der Waldkauz ist die häufigste der zehn in Deutschland lebenden Eulenarten. Foto: dpa

Ein langgezogenes, fast schon ein bisschen schaurig klingendes "Huu-hu-huhuhuhuu" ist das Markenzeichen des Waldkauzmännchens. Er ist die häufigste der zehn in Deutschland lebenden Eulenarten, denn er mag Wald, und davon hat es hierzulande eine Menge. "Die Chance, dass man bei einem Waldspaziergang in der Dämmerung einen Waldkauz rufen oder – wie wir Fachleute sagen – singen hört, ist recht groß", sagt der Emmendinger Ornithologe Carsten Brinckmeier, "ihn auch zu Gesicht zu bekommen ist aber eher unwahrscheinlich." Als Tageseinstand und zum Brüten braucht der Waldkauz eine Großhöhle in einem Baum. Solche Höhlen findet er vor allem in alten Wäldern, gezimmert vom Schwarzspecht. Der baut sich Höhlen mit einem Durchmesser von neun, zehn Zentimetern, die der Waldkauz dann gern als Nachmieter übernimmt. "In Wäldern, in denen die Bäume meist aufgrund der modernen Forstwirtschaft nicht alt genug werden, hilft es, wenn Naturschützer Nisthöhlen zur Verfügung stellen", sagt Brinckmeier.

Balzen, um die Paarbindung zu festigen

Außer in der Hauptbalz im ausgehenden Winter hat der Waldkauz eine Herbstbalz. Daher kann man auch jetzt Käuze hören. Alteingesessene Paare bleiben oft über viele Jahre zusammen, so dass die liierten Erwachsenen sich eigentlich nicht so ins Zeug legen müssten. Tun sie aber dennoch: "Von Oktober bis Dezember balzen sie, um die Paarbindung zu festigen. Außerdem probieren sich Jungkäuze aus und versuchen, gute Reviere zu bekommen", sagt Brinckmeier, "im Januar, Februar wird dann nochmal kräftig gebalzt, um Reviere klar abzugrenzen. Gute Reviere enthalten natürlich stets ausreichend Vorkommen an Mäusen." Der Uhu, die größte bei uns lebende Eulenart, beginnt wie der Waldkauz recht früh, nämlich meist schon im Januar und Februar, mit der Brut. Er ist derzeit also ebenso oft zu hören – sofern unverpaart. Das Weibchen ortet das balzende Männchen mit seinem extrem guten Gehör, das ein direktionales Hören ermöglicht, und fliegt in seine Richtung. Dabei helfen ihre großen Augen, quasi die Nachtsichtgeräte der Uhus. Das Männchen ruft nicht nur, sondern bläst zudem seine weiße Kehle ballonartig auf, so dass das Weibchen auch einen optischen Anhaltspunkt hat, wo der potentielle Gatte zu finden ist.

Potentiell, denn: Uhuweibchen sind wählerisch. Auswahlkriterien sind Stimme und Kehlpräsentation der Männchen, aber es geht auch darum, was der Kerl im ausgewählten Revier an Habitatqualität zu bieten hat. Es braucht verschiedene Beutetiere, und diese müssen auch erbeutet werden können. Deshalb dauert es unter Umständen Wochen, bis sich ein Paar findet. "Das Männchen zeigt dem Weibchen die Ausstattungsmerkmale seines Reviers, sie fliegen gemeinsam zur Steinbruch- oder Lößwand, das Weibchen schaut, wie stabil alles ist und ob es einen stillen Winkel gibt, der ein akzeptabler Brutplatz ist", sagt Brinckmeier.

Uhuweibchen sind wählerisch

Wenn ein Uhu ruft, sind andere Eulen in der Umgebung erst einmal für ein paar Minuten still. Nicht etwa aus Respekt, sondern weil sie wie Ratten und Igel auch auf dem Speiseplan der Uhus stehen und sich nicht verraten wollen. "Der Uhu steht sehr weit oben in der Nahrungspyramide, das ist der Grund, weshalb er von dem Pestizid DDT in den 50er und 60er Jahren stark betroffen und fast ausgestorben war", sagt Carsten Brinckmeier, "doch die Schutzmaßnahmen, gezielte Auswilderungsprogramme und das Verbot der allerschlimmsten Pestizide haben dafür gesorgt, dass sich die Population erholt hat."

Das Gleiche gilt für den Sperlingskauz, die kleinste in Mitteleuropa heimische Eule. Der ist deutlich besser als Waldkauz und Uhu an lange Winter angepasst. Deshalb lebt er vor allem in den borealen Nadelwäldern, in Südbaden ist er auch in den Wäldern zwischen Feldberg und Notschrei zu finden. "Der Sperlingskauz ist tagsüber und in der Dämmerung aktiv, mit viel Glück kann man einen auf einer Fichtenspitze hocken sehen, wenn man auf der Loipe unterwegs ist", sagt Brinckmeier. Oder man hört eine sehr ulkige Tonleiter mit schrägen Tönen – ein Sperlingskauz, der meist zu Beginn der Dämmerung sein Revier markiert. Wenn er damit fertig ist, geht er auf die Jagd. Weil er immer damit rechnen muss, dass ein Schneesturm den Futterstrom versiegen lässt, setzt der Sperlingskauz auf Vorratshaltung: Er lagert Mäuse und Meisen tiefgefroren in einem Depot. "Da findet man durchaus mal 20 Meisen in einer Höhle", sagt Brinckmeier, "und wenn der Sperlingskauz Hunger hat, bringt er eine Depotmeise zu einer Quelle und taucht sie so lange ins Wasser, bis sie einigermaßen aufgetaut und essbar ist."

Eulenexkursion

Der BUND Baden-Württemberg lädt ein zur Exkursion "Jäger der Nacht in der Herbstbalz" mit dem Biologen und Vogelkundler Carsten Brinckmeier. Interessierte treffen sich kurz vor dem Sonnenuntergang in der Nähe der Hochburg. Die Exkursion geht durch ein extensives Streuobstgebiet in Richtung Burgruine. An der Hochburg lassen sich in der Dämmerung mit Glück die Stimmen von Uhu, Waldkauz und weiteren Eulen hören. Zudem geht es um die Lebensweise, die Gefährdung und den Schutz der Eulen in unserer Zivilisationslandschaft. Die Teilnahme ist kostenfrei, Spenden für den Schutz der Eulen sind erwünscht.

Wann und wo: Freitag, 5. Dezember, 16.30 Uhr, Treffpunkt Parkplatz Hofdomäne, Emmendingen-Windenreute, Dauer ca. zwei Stunden Mitbringen: Wanderschuhe und warme, wetterfeste Kleidung. Eine Taschen- oder Stirnlampe kann mitgebracht werden, muss aber aus Gründen der Anpassung die meiste Zeit ausbleiben. Ein gutes Fernglas kann in der ersten halben Stunde noch hilfreich sein.


cfr
Schlagworte: Carsten Brinckmeier
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