"Auf der Strecke eine andere Welt"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 15. Januar 2021

Biathlon

Biathlet Benedikt Doll lobpreist seine neuen Ski / Roman Rees fühlt sich läuferisch nicht gut.

. Der bemerkenswerteste Spruch kam vom Weltcupführenden Johannes Thingnes Boe aus Norwegen: "Im Skaten wird Sturla Holm sicher noch stärker werden und wenn er dann beim Schießen immer noch so trifft wie im Moment, dann wird es schwierig für mich, für die Deutschen und alle anderen Biathleten." Sein Landsmann Sturla Holm Laegreid ist in dieser Weltcupsaison erstmals für Norwegen von Anfang an dabei, hat bereits vier Rennen gewonnen und ist in der Gesamtwertung Zweiter hinter Boe. Mit 94 Prozent Trefferleistung ist Laegreid der zweitbeste Schütze im Weltcupfeld. Die Erfolgsgeschichte des 23-jährigen Norwegers trägt sagenhafte Züge.

Roman Rees vom SV Schauinsland kommt im Moment auf eine 88-Prozent-Quote am Schießstand. Damit ist er von den derzeit im Weltcup laufenden Deutschen der zweitbeste, er kann es aber noch besser, das hat er in den vergangenen Wintern gezeigt. Ausgerechnet der letzte Schuss ging dem Schwarzwälder im zweiten Weltcup-Sprint von Oberhof weg, zuvor hatte er neun Schüsse zielsicher auf den kleinen, schwarzen Scheiben versenkt: "Der Fehler wurmt mich schon. Ich weiß auch gar nicht, warum ich den nicht getroffen habe. Ich hätte mir die 22, 23 Sekunden für die Strafrunde gerne erspart, da es auf der Strecke bei mir nicht so gut ging", sagt Rees.

Der 27-Jährige hatte erst am vergangenen Samstag von seinem erneuten Weltcupeinsatz erfahren und davor vorwiegend im Grundlagen-Ausdauerbereich trainiert. Eine maßgeschneiderte Wettkampfvorbereitung war das nicht, heraus kam lediglich die 55. Laufzeit im 100-Starter-Feld und Rang 46.

Biathletin Janina Hettich trifft und trifft und trifft

Benedikt Doll (SZ Breitnau) hatte im Verfolgungsrennen von Oberhof auf der Schlussrunde gegen Biathleten den Kürzeren gezogen, die sonst nur seine Skienden zu sehen bekommen haben. Im zweiten Sprint von Oberhof war er mit neuen Latten seines Ausrüsters unterwegs, die etwas mehr Vorspannung als das Vorgängermodell aufweisen. "Ich bin sehr zufrieden, auf der Strecke war das heute eine andere Welt", beginnt Doll seinen Lobgesang, "die Ski gingen richtig gut, vor allem bergauf". Er lief die zehntbeste Zeit und kommt damit wieder jener Region näher, in der er sich früher stets aufhielt: unter den Schnellsten. Am Schießstand hatte der 30-Jährige einen Schuss versemmelt, in der Addition ergab das den elften Platz. "Die Ski haben was gebracht, es ging leichter als zuletzt und hat auch wieder Spaß gemacht."

Janina Hettich vom SC Schönwald ist im Weltcupfeld der Frauen mit 92 Prozent Trefferquote die drittbeste Biathletin. Im zweiten Sprint von Oberhof unterstrich sie erneut ihre Treffsicherheit und räumte alle zehn Scheiben ab. "Ich fühle mich in dieser Saison einfach sehr wohl am Schießstand, auch stehend. Ich habe schon ein paar Rennen mit guten Schießergebnissen hinter mir, sowas gibt Sicherheit und Selbstvertrauen."

In Addition mit der 32. Laufzeit ergab das Rang 13, von den deutschen Starterinnen war nur Franziska Preuß (6/SC Haag) besser. Es ist Hettichs viertes Top-15-Ergebnis in dieser Weltcupsaison. "Als 22. des Gesamtweltcups bin ich im Massenstartrennen am Sonntag sicher dabei und als 13. des Sprints habe ich auch ganz gute Chancen, die Staffel laufen zu dürfen."