Aufruhr in Jordanien

Michael Wrase

Von Michael Wrase

Di, 06. April 2021

Ausland

König Abdullah hat seinen Halbbruder Hamsa unter Hausarrest gestellt, weil dieser an einer Verschwörung beteiligt sein soll.

. Die Wut der Jordanier kannte keine Grenzen, als in der zweiten Märzwoche wegen einer angeblichen Panne bei der Sauerstoffversorgung sieben Covid-Patienten in ihren Krankenhausbetten in Amman erstickten. Trotz strikter Ausgangssperren gingen Tausende auf die Straßen. Sie forderten nicht nur den Rücktritt der Regierung, sondern wollten mehr.

Ohne ihn direkt beim Namen zu nennen, verlangten die Demonstranten auch die Ablösung von König Abdullah. An seiner Stelle solle Hamsa bin Hussein, der charismatische Sohn des verstorbenen Königs Hussein aus dessen Ehe mit Königin Noor, den Thron besteigen.

Der 41-jährige Hamsa bin Hussein soll zu diesem Zeitpunkt bereits an der "langfristigen Verschwörung zur Destabilisierung des Königreiches Jordanien" beteiligt gewesen sein, rechtfertigte der Außenminister Ayman al-Safadi am Sonntag dessen Festsetzung. Bei seinen Aktivitäten zur "Förderung von Aufruhr" habe er auch mit ausländischen Organisationen kollaboriert.

"Die rote Linie" sei damit überschritten worden, empörte sich der Chef des Parlaments, Faisal al-Fayaz. Niemals, fügte er hinzu, werde das Land die "zitternden Hände des Verrates, die nur darauf abzielen, Sicherheit und Stabilität zu untergraben, tolerieren".

Der mutmaßliche Verschwörer war bereits einen Tag zuvor unter Hausarrest gestellt worden. Bevor ihm Telefon- und Internetverbindung gekappt wurden, gelang es Hamsa über sein Satellitentelefon, mehrere Videobotschaften an die BBC zu übermitteln. Darin betonte er, dass es keinesfalls seine Schuld sei, dass Jordanien seit "mehr als 15 Jahren in Korruption, Inkompetenz sowie einem Zusammenbruch der Regierungsfähigkeit versinke, die jedes Jahr schlimmer werde".

Es sei kein Wunder, wenn die Menschen das Vertrauen in die "Institutionen" verloren hätten, so Hamsa. In einem Land, das einmal die Führungsrolle im Nahen Osten eingenommen habe, dominierten Korruption und Vetternwirtschaft. Man habe einen Punkt erreicht, an dem niemand mehr seine Meinung äußern könne, ohne "schikaniert und verhaftet" zu werden. In seinen in arabischer und englischer Sprache übermittelten Botschaften hatte Hamsa bereits antizipiert, dass ihn die Regierung beschuldigen würde, in ein "heimtückisches Komplott", so Außenminister Safadi am Sonntag, verwickelt zu sein.

Nach Angaben des Hofes vom Montagabend habe Hamsa seine Verwicklung in ein Komplott gegen die Sicherheit und Stabilität des Königreiches aber bestätigt. Das Königshaus teilte mit, Prinz Hamsa habe eine entsprechende Erklärung unterzeichnet.

Der vom Hof als "Putschist" gebrandmarkte Hamsa gilt als volksnah und bescheiden. Er erinnert viele Jordanier an König Hussein, der 1999 auf seinem Sterbebett seinen Bruder Hassan als Kronprinzen entlassen hatte. Zu seinem Nachfolger ernannte er seinen ältesten Sohn Abdullah. Der heute 59-Jährige stammt aus Husseins Ehe mit der Britin "Toni" Gardener. Hamsa wurde damals zum Kronprinzen ernannt, bevor ihm der Titel fünf Jahre später von Abdullah wieder entzogen wurde.

Im Gegenzug zu seinem eloquenten Halbbruder, der sich auch bei den staatstragenden Beduinenstämmen großer Beliebtheit erfreut, wirkt der jordanische Monarch eher hölzern. Unter Abdullahs Führung hat sich die wirtschaftliche Krise in Jordanien verschärft. Ohne ausländische Finanzhilfe könnte das Land nicht überleben. Neben den USA gehören die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien zu den Geldgebern. Mit beiden Staaten war es in den letzten Monaten zu Spannungen gekommen.

Diplomaten in Amman halten es für möglich, dass Saudi-Arabien in das angebliche "Komplott" gegen König Abdullah verwickelt gewesen sein könnte. Sie verweisen auf die bereits am Freitag erfolgte Verhaftung von Sharif Hassan Bin Zaid, der auch zur jordanischen Königsfamilie gehört und über Jahre Botschafter in Riad war. "Beendet" sei das unschöne Kapitel mit der Festsetzung des Prinzen noch lange nicht. Schließlich habe Hamsa nur das ausgesprochen, "was seit Monaten im Land geflüstert wird", betonte Daoud Kuttab, der in Amman das "Community Media Network" leitet. Diese NGO setzt sich für den "Aufbau einer demokratischen Gesellschaft" ein.