Auftakt der Puppenparade Ortenau in Ettenheim

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

So, 24. März 2019 um 18:09 Uhr

Ettenheim

Das Ortenauer Puppentheater-Festival "Puppenparade" ist unter freiem Himmel erstmals in Ettenheim eröffnet worden.

ETTENHEIM. Zum ersten Mal in Ettenheim: die Puppenparade Ortenau, die dieses Jahr gemeinsam von zehn Städten und Gemeinden veranstaltet wird, ist bei Sonnenschein am Samstag auf dem Rathausplatz eröffnet worden.

Die Kleinen durften als erstes ran. Die junge Akteure aus Kindergärten aus Ettenheim, Ettenheimweiler und Altdorf hatten Figuren und Masken gebastelt. Zum achten Mal wird bei der Puppenparade drei Wochen lang für Klein und Groß ein Programm geboten. "Die toppen ja alles", zeigte sich Frieder Kräuter vom Puppentheater Gugelhupf nach einer Stunde begeistert von der Resonanz, und meinte damit die überwältigende Anzahl von Eltern, Großeltern und Kindergartenkindern bei der Eröffnung.

Ein Krokodil in Ettenheim! Etwa eines, das im Ettenbach lebt? Ein Bär, der verzaubert in einem tiefen Wald haust! Es ging ganz schön turbulent, abenteuerlich und phantasievoll zu. Schon vor der offiziellen Eröffnung durch Beate Weber als Stellvertreterin des Bürgermeisters, Jürgen Exner für die Sparkasse und dem Leiter des Festivals, Christof Fischer-Rimpf, ging es lebhaft her. Der Kindergarten Wunderfitz begann mit seinem selbst gebastelten, leuchtenden Drachen Fuchur, gefolgt von Meister Klecksel und seinen farbenfrohen Freunden des katholischen Kindergartens. Die Kindergärten aus Ettenheimweiler, Altdorf und der aus dem Fürstenfeld lieferte weitere Beiträge in Form selbst gestalteter Papierfische, fantasievoller Weidewesen aus Altdorf und singender Handpüppchen. Mit den Figuren Kasper und Gretel setzte das Puppentheater Gugelhupf den nächsten Akzent.

Von seiner Frau Gretel wird Kasper zum Einkauf geschickt und hat dann alle Mühe, die Waren gegen widrige Umstände nach Hause zu bringen. Mit Hilfe der aufmerksamen und mit ihrem Geschrei rechtzeitig den Kasper warnenden Kinder konnte dieser jedoch seine Schätze vor dem Teufel und dem gefräßigen Krokodil retten und nach Hause bringen. Eine rasante Verfolgungsjagd der Beiden auf der Puppenbühne wurde mit Rufen der Kleinen begeistert begleitet. Was für ein Spektakel, als Teufel und Krokodil erfolgreich besiegt werden konnten.

In fliegendem Wechsel folgte das Bauchladentheater von Martin Hinder. Unter seinen geschickten Händen wurde ein grünes Tuch zum Wald, ein Luftballon zum Zwerg und zwei weiße und rote Rosen zu jungen Frauen, die einen verzauberten Prinzen befreien, so dass es zum Hochzeits-Happy-End kommen konnte. Etwas versteckt und zunächst eher unbeachtet agierte in unmittelbarer Nähe die Guckkastenbühne von Andreas Kurrus.

Von atemloser Stille bis zu heller Begeisterung

Aus Umzugskartons hat er eine herrliche Stadtkulisse geschaffen, in der mit Hilfe von Rauch, Musik auf Kopfhörern und allerlei Lichteffekten die wunderbare Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern erzählt wird. Jede seiner fünf Minuten dauernden Vorführungen "ist zu hundert Prozent ausverkauft". Keine der wartenden Zuschauerinnen hat die Wartezeit bereut, bis sich jeweils sein kaum DIN-A-6 großer Vorhang exklusiv nur für sie geöffnet hat. Ein ganz besonders individueller und ausgefallener Bestandteil der diesjährigen Puppenparade. Daneben versorgten Eltern aller beteiligten Kindergärten die Zuschauer mit Selbstgebackenem an Marktständen. Muffins, Grillwürste und Waffeln fanden reißenden Absatz.

Im rappelvollen Winefeldsaal herrschte atemlose Stille und am Ende helle Begeisterung bei der Aufführung des Zirkus’ Marionetto. Gregor Schwank faszinierte ohne Worte, mit sphärischer und heiterer Musik und zeigte, wie viele Fäden gezogen werden müssen, um seine märchenhaften Tiere als Marionetten einfallsreich und realitätsnah zum Leben zu erwecken. Viele Kinder haben sie als lebensecht wahrgenommen.

Der offizielle Teil der Eröffnung war eingebettet in das ebenfalls zauberhafte Figurentheater vom vierten Ei des Duos Vagabündel. Eine großartige Mischung von Schattenspiel, Marionette und Pantomime. Als Bühne diente ein großer Geschichtenerfindenwürfel, der abwechselnd als Leinwand oder Guckkastenbühne fungiert. Wirklich großartig, wie die Schauspieler (Irene Schmid und Karl Dudek) einem verspätet ins Nest gelegten Spatzenei zum Überleben und zum Fliegen mit einer Flügelprothese verhelfen. Der Nesthocker Friedrich, das ist der besagte Spatz, hat die Freude wieder gefunden und das Publikum restlos begeistert. Der Phantasie freien Lauf lassen und Spaß und Freude am Puppentheater entwickeln, das ist auch die Intention, die die Veranstalter und Sponsoren in ihrer Eröffnung zum Ausdruck brachten. Das Team um Marina Betzle von der Stadtverwaltung, das Bläserduo Wolfgang Spengler und Alexander Ruchti haben dem Festival zu einem erfolgreichen Start verholfen.