"Ausbildung auf Station befreit"

Ute Kienzler

Von Ute Kienzler

Mi, 07. April 2021 um 18:14 Uhr

Titisee-Neustadt

Stephanie Grosch,19, Auszubildende im Unterkurs der Pflegeschule, erging es wie den diesjährigen Erstklässlern: Kaum hatte die Schule angefangen, fand sie sich schon im Homeschooling wieder.

"Ich kenne meine bisherige Ausbildung leider nur von der Pandemie begleitet", sagt sie. "Im Oktober begann mein Kurs, doch Präsenzunterricht habe ich bis jetzt nur in den ersten fünf Wochen erlebt."

Der digitale Unterricht sei ihr anfangs schwergefallen. Ihr fehle besonders die Interaktion zwischen den anderen Auszubildenden und den Dozenten. "Unser Kurs hat 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wenn eine Unterrichtsstunde über Skype abgehalten wird, ist der Bildschirm "überfüllt". Wortmeldungen fallen dann viel schwerer als im Präsenzunterricht, und die Konzentration auf den Lehrstoff wird beeinträchtigt."

Die Teilnahme am digitalen Unterricht ist Pflicht, es wird eine Anwesenheitsliste geführt. Lobend äußert sich die junge Frau über ihre Dozentinnen und Dozenten, die den Digitalunterricht anschaulich und abwechslungsreich gestalten. "Neu für mich ist, dass Klausuren in digitaler Form abgehalten werden. Die Zeit ist dabei gestrafft, sodass man keine Möglichkeit hat, verstohlen im Lehrbuch unter dem Tisch nachzuschauen. Und immer betet man während des Tests darum, dass die Internetverbindung nicht versagt."

Sehr fehlt Grosch der soziale Kontakt zu den anderen Auszubildenden. "Wir konnten uns in der kurzen Präsenzzeit kaum kennenlernen. Wir können uns zwar in unserer Whats App-Klassengruppe austauschen, aber ein Ersatz für private Gespräche ist das nicht. Es gibt außer dem Lernstoff ja noch andere, ebenso wichtige Themen, über die man sich gerne unterhalten möchte, und dafür braucht es eben ein präsentes Ohr! Die Ausbildung auf den Stationen befreit uns aus der Isolation und dort merke ich, wie sehr mich dieser Beruf anspricht."