"Der Horror muss ein Ende haben"

Marcel Burkhardt

Von Marcel Burkhardt

Sa, 10. November 2012

Ausland

BZ-INTERVIEW mit Jean Ziegler über den Hunger in der Welt, Nahrungsmittelspekulation und Wege aus dem Elend .

Ob in Afrika, Südamerika oder Asien – Jean Ziegler hat als erster UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und als ständiger Berater des UN-Menschenrechtsrates überall mit ansehen müssen, wie Hunger Menschenleben zerstört. Wenn der Schweizer darüber spricht, brechen sich die Worte in einem gewaltigen Redefluss Bahn. Ziegler redet hastig – wie ein Getriebener. Er spricht von einer "grausamen, kannibalischen Weltordnung", mit der endlich Schluss sein müsse. Ziegler spricht von einer "Massenvernichtung in der Dritten Welt" und ruft wütend: "Wir lassen diese Menschen verhungern!" Im Interview mit Marcel Burkhardt prangert er Nahrungsmittelspekulanten, Großkonzerne und die EU-Agrarpolitik an. Er erklärt aber auch, welche Wege es aus der Misere gibt.

BZ: Herr Ziegler, als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung waren Sie an vielen Orten humanitärer Katastrophen. Wie hat Sie das geprägt?
Jean Ziegler: Egal wo auf der Welt – ob nun in Peru, Bangladesch oder in Somalia – überall sterben die Kinder auf die gleiche Weise. Ohne ausreichend Nahrung gehen sie unter fürchterlichen Schmerzen zugrunde. Der Körper verbraucht erst die Zucker-, dann die Fettreserven. Das Immunsystem bricht zusammen. Durchfälle beschleunigen die Auszehrung. Mundparasiten und Infektionen der Atemwege verursachen schreckliche Schmerzen. Dann werden die Muskeln zerstört. Die Kinder können sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie schauen einen aus Greisengesichtern an. Dann folgt ein furchtbarer, schmerzvoller Tod. Solange meine Kraft reicht, will ich deshalb dafür kämpfen, dass dieser Horror ein Ende findet.

BZ: In Ihrem neuen Buch "Wir ...

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