Die meisten leben friedlich zusammen

Michael Saurer und KNA

Von Michael Saurer & KNA

Mi, 24. April 2019

Ausland

Religiöse Auseinandersetzungen waren in Asien in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme / Die Anschläge könnten das ändern.

Die Anschläge in Sri Lanka waren nicht die ersten Angriffe auf Kirchen und Gottesdienste zu christlichen Hochfesten wie Ostern und Weihnachten. In Ägypten etwa sprengten sich zu Neujahr 2011 und am Palmsonntag 2017 Selbstmordattentäter in koptischen Kirchen in die Luft, 2018 gab es in Nigeria einen Anschlag auf einen Neujahrsgottesdienst.

In Asien machte vor allem der Angriff auf eine Kirche im pakistanischen Lahore zu Ostern 2016 Schlagzeilen. Dabei war das multireligiöse Asien gegenüber dem Christentum meist tolerant eingestellt. Im mehrheitlich muslimischen Indonesien etwa mit seinen mehr als 250 Millionen Menschen ist das Christentum neben Islam, Buddhismus und Hinduismus von der Verfassung anerkannt, und die zehn Prozent Christen im Land können ihre Religion ohne Probleme leben.

Auch in Malaysia, in dem der Islam die Staatsreligion ist, bekennen sich neun Prozent der Menschen zum Christentum, und bislang kam es hierbei kaum zu Konflikten oder Einschränkungen.

Religiöse Konflikte auf dem Kontinent entzündeten sich in den vergangenen Jahren an anderer Stelle. Neben den seit Jahrzehnten andauernden Konflikten zwischen Muslimen und Hindus in Indien und Pakistan auch da, wo man sie zunächst nicht erwartet. So erstarkt seit einigen Jahren in Ländern wie Sri Lanka, Myanmar und Thailand ein radikaler Buddhismus, der vor allem starke anti-muslimische Tendenzen aufweist. Dies zeigte sich bei der gewaltsamen Vertreibung der muslimischen Rohingya durch das buddhistisch geprägte Regime in Myanmar. Auch in Sri Lanka kam es erst im Vorjahr zu Pogromen, bei denen radikale Buddhisten Hunderte Geschäfte der muslimischen Minderheit zerstört haben und bei denen drei Menschen gestorben sind.

Christen standen hingegen in Asien (Länder wie Afghanistan oder den Iran einmal ausgenommen) in jüngster Vergangenheit kaum je im Zentrum religiöser Auseinandersetzungen – wo es zu Konflikten kam, sagt die Asien-Expertin Kesuma Saddak von der katholischen Hilfsorganisation Misereor (siehe Interview), sei Religion nicht der eigentliche Grund gewesen. In kommunistischen Ländern wie Vietnam, China und Nordkorea kam es in den vergangenen Jahren zu Verhaftungen von Christen, denen sektiererische Umtriebe vorgeworfen wurden.

Evangelikale Organisationen wie die Organisation "Open Doors" sprechen zwar von einer zunehmenden Verfolgung von Christen in Asien und geben eine Zahl von 100 Millionen Menschen an, die dort wegen ihres Glaubens verfolgt würden – die Datenerhebung gilt aber sowohl in der katholischen wie auch der evangelischen Kirche laut einem Bericht der Tageszeitung Die Welt als unseriös.

Tatsächlich stellt das Christentum auch in einigen Ländern des Kontinents die Mehrheit – selbst wenn man das riesige Russland, das im Osten an Japan grenzt, nicht mitrechnet. In der früheren portugiesischen Kolonie Osttimor etwa bekennen sich über 99 Prozent der Bevölkerung zum Christentum. Die Philippinen stellen die größte katholische Bevölkerung in Asien, und auch in Südkorea gehören fast 30 Prozent der Bevölkerung dem Christentum an.

Allerdings bleibt in Asien der radikale Islamismus ein Problem – für Christen wie für gemäßigte Muslime. Im Süden der Philippinen, der Insel Mindanao, kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu mehreren Anschlägen islamistischer Separatisten. Sicherheitskräfte warnen, auch für andere Länder bestehe eine wachsende Anschlagsgefahr durch asiatische IS-Kader, die nach ihrer Niederlage in Syrien in ihre Heimatländer zurückkehren. Sri Lanka könnte dafür der Auftakt sein.