Ukraine

Die Mittelschicht verliert die Hoffnung

Juri Durkot

Von Juri Durkot

Do, 12. Mai 2016

Ausland

Seit Kriegsausbruch können sich viele Ukrainer für ihr Geld kaum noch etwas kaufen / Auch unter Präsident Poroschenko bleibt die Korruption ein großes Problem.

Oleg steht in der Küche seines Kiewer Apartments und schenkt Tee ein. Es ist eine kleine Wohnung, das Zimmer hat vielleicht 16 Quadratmeter, dazu eine winzige Küche und WC mit Bad. Das neunstöckige Haus mit mehreren Aufgängen, ein typischer Block aus der späten Sowjetzeit, hat schon bessere Zeiten erlebt. Sein großer Vorteil ist, es liegt in der Nähe einer Metrostation.

Eine solche Lage wird in der ukrainischen Hauptstadt sehr geschätzt, denn die U-Bahn ist das wichtigste Verkehrsmittel für die Metropole, sonst steht hier alles zu Stoßzeiten im Stau. Das Apartment ist renoviert, es ist ein ziemlich billiges "Jewroremont", wie man in der Ukraine sagt. Im Zimmer ein Klappsofa, ein Kleiderschrank, ein Sessel, ein paar Stühle und ein kleines Tischchen. Wenn ein Gast kommt, um zu übernachten, holt Oleg eine grüne Luftmatratze aus dem Schrank und bläst sie auf.

"So lebt der ukrainische Mittelstand", sagt Oleg und schmunzelt verlegen. Vor elf Jahren ist er von Lemberg nach Kiew umgezogen, um als Immobilienanalyst zu arbeiten. Heute ist er Mitte 30, schlank, sportlich und immer gut gelaunt. Allerdings hat sein immerwährender Optimismus zuletzt Risse bekommen. "Keiner kauft heute Immobilien, schon gar keine Büroflächen. Wozu denn, wenn sie für 200 Hrywnja pro Quadratmeter Büroräume mieten können." Das sind umgerechnet sieben Euro. Vor zweieinhalb Jahren waren es 20. Die Nationalwährung ist nach den Protesten gegen das Regime, der ...

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