Wegen Kinderarbeit

Grabmale aus Indien sind höchst umstritten

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Sa, 30. April 2016 um 00:00 Uhr

Ausland

Der Freiburger Benjamin Pütter überprüft, ob die Hersteller von Grabsteinen die internationalen Mindeststandards einhalten. Er will das Elend in den Steinbrüchen Indiens beenden.

Alle aus Indien, der, der – und der auch." Steinmetz Michael Storr zeigt auf die Grabsteine, die glattpoliert, blau-grau schimmernd, grünlich oder rot meliert auf den Gräbern des Freiburger Hauptfriedhofs emporragen. "Das da ist ein Orion, der fliederfarbene dort ein Indisch Aurora."

Grabsteine aus Indien sind in Deutschland sehr beliebt – wegen ihres Farbspiels, ihrer teils wilden Struktur und der schön glatten und glänzenden Oberfläche. "Orion" zum Beispiel, ein Granatgneis mit dunkelblauen, milchig durchzogenen Schlieren, mutet an wie ein Blick in den Nachthimmel. Noch mehr begeistern dürfte die Kundschaft allerdings der Preis: Sie sind im Einkauf etwa ein Drittel billiger als die Konkurrenz aus Europa. Rund ein Drittel der Grabsteine in Deutschland stammten aus Indien, so der Verband deutscher Naturstein-Verarbeiter. Insgesamt werden weit über 80 Prozent importiert: aus Asien, Afrika und Südamerika, aber auch aus Spanien oder Skandinavien. Aus China und Indien wird tranchenweise geliefert, fertig zugeschnittene Platten oder gleich komplette Grabsteine. Der Steinmetz hierzulande braucht dann bloß noch die Inschrift einzuhauen.

So schön die Steine sind, so groß ist der Makel, der ihnen anhaftet: Die Menschen, die sie in den Exportländern schlagen, schuften unter miserablen Arbeitsbedingungen und für Hungerlöhne, oft bei Temperaturen bis zu 40 Grad. Indien steht besonders am Pranger: Die Besitzer der Steinbrüche ignorieren offenbar sämtliche nationalen und internationalen Standards. Mindestlöhne werden selten bezahlt, selbst einfachste Schutzvorkehrungen für Mund, Gehör oder Augen gibt es nicht. Viele Arbeiter ertauben unter dem Dauerkrach der schweren Presslufthämmer oder leiden unter einer Staublunge. Am allerschlimmsten: In der Branche arbeiten Kinder. Obwohl Indien Mitglied der ILO ist, der Internationalen Arbeitsorganisation, die das untersagt. Sie definiert die schlimmste Form der Kinderarbeit als Arbeit von unter 18-Jährigen, die deren Sicherheit, Gesundheit und Moral ...

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