Russland

Putin und das dritte Imperium

Dietmar Ostermann

Von Dietmar Ostermann

Mi, 30. April 2014

Ausland

Nationalistische und neoimperiale Strömungen sind in Russland zum Mainstream geworden – in der Ukraine-Krise nimmt sie der Westen nun zum ersten Mal wahr.

Russland hat der Welt mit der Annexion der Krim und Drohungen gegen die Ukraine ein neues Gesicht gezeigt. Dahinter steckt auch ein neuer russischer Nationalismus, der das ideologische Vakuum der Post-Sowjetära füllt.

Im Jahr 2006 ist in Russland ein Buch erschienen, dessen fiktive Story man noch vor kurzem als Spinnerei abgetan hätte, das aus heutiger Sicht aber verblüffend prophetische Züge trägt. Das Buch beschreibt die Welt im Jahr 2053. Nur wenige Staaten gibt es noch: Amerika, das von Alaska bis Feuerland herrscht, ein islamisches Kalifat, eine asiatische Himmelsrepublik – und das russische Imperium. Das Kremlreich erstreckt sich von Kamtschatka bis Grönland, längst gehört auch Westeuropa dazu.

Russlands Wiederaufstieg zum Weltreich, so hat es der Autor Michail Jurjew in "Das dritte Imperium: Russland, wie es sein soll" beschrieben, beginnt in der Ukraine. Als die USA mit Hilfe ukrainischer Nationalisten aus Lemberg in Kiew einen Putsch inszenieren, bitten die Krim und prorussische Regionen im Süden und Osten Russland um Hilfe. Moskau schickt 80 000 Soldaten, es kommt zu einem Krieg mit der Nato, die Ukraine wird geteilt. Im Kreml sitzt ein gewisser Wladimir, der Russland fortan immer neue Landstriche einverleibt – bis ein drittes (nach Zarenreich und Sowjetunion) russisches Imperium entsteht. Wie gesagt, das Buch erschien im Jahr 2006.

Ob Putin nur mit imperialer Rhetorik spielt, ist nicht sicher

Natürlich weiß man nicht, ob Russlands Präsident Wladimir Putin "Das dritte Imperium" gelesen hat. Und gewiss spielt der Kreml derzeit in der Ukraine die literarische Vorlage ...

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