Hiroshima

Verzweifeln, verdrängen, vergessen

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Mi, 05. August 2015

Ausland

Vor 70 Jahren wurde über dem japanischen Hiroshima die erste Atombombe gezündet – die überlebenden Opfer kämpfen bis heute mit dem Stigma und ihrem Trauma.

Auf einmal ist es still. In der flirrenden Augusthitze zirpen nur die Zikaden. Schulkinder, die eben noch kreischend aus dem Bus geklettert sind, verharren in Ehrfurcht, sind diszipliniert. Über die aus der Luft so auffällige Brücke, die dem Piloten des amerikanischen Atombombers damals als Orientierung gedient hat, marschieren sie schweigend auf die von zwei Flussarmen umschlossene Insel.

Am 6. August 1945 um 8.13 erscheint hier das amerikanische Flugzeug Enola Gay, zwei Minuten später erreicht es das angepeilte Ziel über dem Zentrum von Hiroshima. In 9450 Metern Höhe wird die Bombe ausgeklinkt, in 580 Metern erfolgt die Detonation. Die gewaltige Druckwelle breitet sich in Sekundenschnelle in alle Richtungen aus, Tausende Menschen sterben unter Höllenqualen.

Wer den Friedenspark in Hiroshima heute betritt, kämpft mit Emotionen, erlebt eine fast schon überwältigende Spannung zwischen Trauer und Hoffnung. Der dumpfe Klang der Bronzeglocke, die regelmäßig zur Erinnerung an die Toten geschlagen wird, der süßliche Geruch von Weihrauch, das gelb-weiße Chrysanthemen-Meer – das alles erinnert bewegend an die erste nukleare Katastrophe der Weltgeschichte. Eine eindringliche Mahnung.

Die Schüler drapieren am Kinderdenkmal sorgfältig selbst gebastelte Ketten mit Papierkranichen. Dieses berührende Monument erinnert an den Überlebenskampf der kleinen Sadako Sasaki, die zwei Jahre alt war, als die Bombe auf Hiroshima fiel. 1000 Kraniche wollte das fortan an Leukämie erkrankte Mädchen falten. In Japan sind die Vögel ein Symbol für Gesundheit ...

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