Autolärm stört Nachtruhe der Bewohner

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Sa, 20. Juli 2019

Rheinfelden

Anwohner der Rheinbrückstraße fordern Maßnahmen / Polizei und Ordnungsamt prüfen die Lage.

RHEINFELDEN (ibö). Tagsüber liegt die Rheinbrückstraße recht ruhig da. In der Nacht sieht es aber wohl anders aus. Dann erobern zumeist junge Autofahrer das Terrain mit ihren Autos: Das heißt heulende Motoren, quietschende Reifen und hohes Tempo. Für die Anwohner nimmt die Lärmbelästigung ein nicht mehr tolerierbares Ausmaß an. Sie haben die Szene mit Handyaufnahmen festgehalten, 25 Unterschriften gesammelt, das Polizeirevier und das Ordnungsamt eingeschaltet.

Der Adelberg hat den Ruf einer besseren Wohngegend. Das haben sich auch die Bewohner der Rheinbrückstraße 5 gedacht, als sie sich entschieden, im Frühjahr in den Neubau zu ziehen. Während sich tagsüber Verkehr auf Tempo 30-Basis abspielt, gehe nachts die Post ab.

Peter Stumböck, der das erlebt und schlaflose Nächte wie seine Nachbarn durchleidet, hat im Auftrag der Bewohner nun Initiative ergriffen. Nicht die Gäste des Restaurants oder normale Nutzer des Parkdecks fallen unangenehm auf. Das Hauptproblem wird in Fahrern gesehen, die sich als "Poser" in diesem Bereich treffen, so Stumböck, "und mit hoher Geschwindigkeit, quietschenden Reifen für die bis nach Mitternacht dauernden Belästigungen sorgen".

Außerdem monieren die Bewohner, dass bis in die Nacht im Stadtpark oder beim Haus Salmegg "dem Alkohol zugesprochen, laut gegrölt und mit Fahrzeugen hin- und hergefahren" werde. Die Bewohner haben einige Fälle mit Smartphones auf Video dokumentiert. Doch das sei nur "die Spitze des Eisbergs", meint der Kripobeamte im Ruhestand. Er nimmt an, dass bei "vielen Fahrten auch ein Zusammenhang mit Drogenübergaben im Parkhaus" bestehe.

Die Bewohner haben die Stadtverwaltung und die Polizei eingeschaltet, damit das abgestellt wird. Der stellvertretende Revierleiter Bernhard Weis erklärt auf Anfrage der BZ, dass bis dato die Polizei keinerlei Kenntnis von den Vorgängen erhalten habe: "Das war bisher unauffällig." Weis nimmt sich der Sache aber an und hat seine Beamten angewiesen, auf Streife darauf zu achten und Lasermessungen vorzunehmen. Es soll herausgefunden werden, welcher Art die "gravierenden Verstöße" sind. "Man muss es beobachten", so Weis, denn zwischen objektiver und subjektiver Wahrnehmung gebe es auch Unterschiede.

Ein Poser-Problem sei bisher nicht aufgetaucht, heißt es im Revier. Von einer Szene ist nichts bekannt, allenfalls Einzelfälle habe es gegeben. Aber Weis wird "die Kollegen sensibilisieren", genau hinzuschauen. Möglichkeiten, Verstöße zu ahnden, gibt es. Wird unnötig Gas gegeben oder ständig hin- und hergefahren, kann dies nach Umweltgesichtspunkten verfolgt werden. Das kostet in jedem Fall mehr, als ein Strafzettel, der auf Basis der Straßenverkehrsordnung ausgestellt wird. Weis hält es für wichtig, zunächst "ein paar Fakten zu sammeln".

Für Ordnungsamtsleiter Dominic Rago ist es ganz klar, dass die Stadt etwas unternehmen wird. "Da müssen wir präsenter sein", erklärt er auf Anfrage. Er hat mit dem Sprecher der Hausbewohner bereits ein persönliches Gespräch geführt und ihm liegen Unterschriften vor. Dass die Rheinbrückstraße zum Rasen verführe, ist ihm auch schon zu Ohren gekommen, auch wenn es dort tagsüber "unauffällig" zugehe. Die Kontrolle im Park und in der Tiefgarage werde verstärkt und die Verkehrsbehörde wird eine Verkehrszählung machen. Dazu wird ein Verkehrsstatistikgerät eingesetzt, das 24 Stunden lang die Fahrzeugbewegungen und das gefahrene Tempo aufzeichnet. "Wir wollen das gezielt angehen", betont der Ordnungsamtsleiter. Im August wird dazu ein Gespräch mit den Anwohnern stattfinden. Und für die Zukunft stellt das Ordnungsamt in Aussicht, dass der kommunale Ordnungsdienst agieren und, wenn es sein muss, auch durchgreifen wird.