Attacke

Autor Salman Rushdie auf Bühne in US-Bundesstaat New York angegriffen

dpa

Von dpa

Fr, 12. August 2022 um 18:00 Uhr

Panorama

Seit Jahren wurde der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie mit dem Tod bedroht. Nun wurde er auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York attackiert. Sein Gesundheitszustand ist unklar.

Der Autor Salman Rushdie ist der US-Nachrichtenagentur AP zufolge auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York angegriffen worden. AP berichtete am Freitag von dem Vorfall im Westen New Yorks unter Berufung auf einen eigenen anwesenden Reporter. Die "New York Times" zitierte eine Zeugin: "Es gab nur einen Angreifer". Und weiter: "Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu." Auch der TV-Sender CNN zitierte einen Zeugen, der die Attacke gesehen hatte.



Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul sagte in der Stadt Buffalo, Rushdie sei am Leben und bekomme im Krankenhaus die Hilfe, die er benötige. "Es war ein staatlicher Polizist, der aufstand und sein (Rushdies) Leben rettete, ihn beschützte", sagte sie und dankte dem Helfer. Der 75-jährige Schriftsteller war zuvor mit einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden.

Der Täter sei nach dem Angriff am Freitag noch in der Halle festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Die "New York Times" zitierte eine Zeugin: "Es gab nur einen Angreifer. Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu." Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, der Angreifer habe 10 bis 15 mal auf Rushdie eingeschlagen oder gestochen. Der ebenfalls angegriffene Interviewer hat nach Polizeiangaben eine Kopfverletzung.

1989 wurde Rushdie mit einer Fatwa belegt

Zu den Hintergründen des Angriffs gab es zunächst keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen.

Wegen seines Werks "Die satanischen Verse" (1988) war Rushdie einst mit einer Fatwa belegt worden, die zu seiner Tötung aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt. Irans Revolutionsführer Ajatollah Khomeini erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

Jahre des Versteckens haben Spuren bei Rushdie hinterlassen

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King"s College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Buch "Mitternachtskinder" ("Midnight"s Children"), das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde.

Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr hätte die Fatwa des Ajatollahs für Rushdie inzwischen aber längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie "Joseph Anton" aus dem Jahr 2012.

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