Ortenau

Autozulieferer PWO will bis zu 150 weitere Stellen in Oberkirch streichen

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 29. Dezember 2020 um 12:54 Uhr

Wirtschaft

Der Ortenauer Autozulieferer PWO will bis zu 150 weitere Arbeitsplätze an seinem Stammwerk abbauen. Die Gewerkschaft IG Metall ist geschockt und kritisiert den Zeitpunkt der Mitteilung.

Bereits in den vergangenen Monaten hat das Unternehmen die Zahl der Stellen in Oberkirch reduziert. Rund 200 Mitarbeiter haben die Zentrale nach PWO-Angaben bereits verlassen. Ende November waren 1400 Menschen in Oberkirch beschäftigt.

"Leider hat die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland in den letzten Jahren stark nachgelassen." PWO-Chef Lazzarini
Der neue PWO-Chef Carlo Lazzarini sagte: "Wir sind ein weltweit tätiger Konzern. Der Kostendruck in der Automobilzulieferindustrie zwingt uns dazu, jeden Auftrag in dem Werk zu platzieren, das für den konkreten Auftrag am wettbewerbsfähigsten ist. Leider hat die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland in den letzten Jahren stark nachgelassen, was zu einem überproportionalen Anstieg des Auftragsvolumens in unserm Werk in Tschechien geführt hat. Daher müssen wir die Kapazitäten in Oberkirch an das rückläufige Umsatzvolumen für den Standort anpassen."

Standort Oberkirch soll zu einer High-Tech-Schmiede werden

Gleichzeitig kündigte Lazzarini an, den Standort Oberkirch zu einer High-Tech-Schmiede weiter zu entwickeln, in der höchst effizient für den Automobilmarkt produziert wird. Dabei will er auch auf die Analyse großer Datenmengen (Big Data) und Künstliche Intelligenz setzen.

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte "geschockt" auf die Ankündigung des Unternehmens. Der Ortenauer IG-Metall-Chef Ahmet Karademir kritisierte den Zeitpunkt der Mitteilung. Viele Mitarbeiter befänden sich in den Ferien und würden von dem Stellenabbau geradezu überrumpelt.



PWO beschäftigt weltweit 3000 Menschen. In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnete PWO einen Umsatz von 257,4 Millionen Euro (Vorjahr: 345,3 Millionen Euro). Das Ebit betrug minus 2,9 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei plus 14,3 Millionen Euro. Der Kurs der PWO-Aktie lag am Dienstag (12.40 Uhr) bei 18,70 Euro. Das sind 1,58 Prozent weniger als zu Handelsbeginn.
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