Comicverfilmung

"Avengers: Endgame" ist das rauschende Finale der Reihe

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Mi, 24. April 2019 um 19:40 Uhr

Kino

"Avengers: Endgame" soll das definitive Finale der Superhelden-Reihe aus dem Hause Marvel sein. Doch ist dieses dreistündige Gemetzel wirklich das Finale?

Nur ein Fingerschnipsen reichte dem Bösewicht Thanos im letzten "Avengers"-Film aus, um die Hälfte der Menschheit zu Staub zerfallen zu lassen. Darunter waren auch verdiente Helden aus dem Marvel-Universum, die in den letzten zehn Jahren mitgeholfen hatten, Milliardengewinne in die Konzernkasse zu spülen. Es war ein Filmende, das gerade im Mut zur Stille seine poetischer Zerstörungskraft entfaltete – und nicht nur unter eingefleischten Comic-Film-Fans als größter Cliffhanger der Filmgeschichte gilt. Man durfte gespannt sein, wie die Story-Architekten sich nach einem solch riesigen "Unhappy End" im angekündigten Finale wieder aus der Affäre ziehen.

Und so herrscht zu Beginn von "Avengers: Endgame" auf dem Planeten Erde zunächst die große Depression. Die Reihen im Superheldenlager sind gelichtet und die Trauer um die verlorenen Kollegen groß. Captain America (Chris Evans) leitet eine Selbsthilfegruppe für die Hinterbliebenen der Massenvernichtung und glaubt nicht an seine eigenen Durchhalteparolen. Iron Man (Robert Downey Jr.) hat sich ins Privatleben zurückgezogen und konzentriert sich auf die Erziehung seiner fünfjährigen Tochter. Black Widow (Scarlett Johansson) leitet müde die Zentrale zur Verbrechensbekämpfung, während sich der omnipotente Thor frustriert dem Suff ergeben hat. Wie Jeff Bridges in "The Big Lebowski" sieht Chris Hemsworth aus, dem die Pixelmeister Bierwampe und Schwimmringe auf den Astralleib geschnürt haben.

Die rettende Idee kommt ausgerechnet vom kleinsten Mitglied im Superhelden-Team. Ant-Man (Paul Rudd) hat die Halbierung der Menschheit im Zeittunnel verbracht, dessen quantentheoretische Erklärung schon in "Ant-Man and the Wasp" keiner verstanden hat. Er will die Technik dazu nutzen, um zurück in die Vergangenheit zu reisen. Dort soll das Avengers-Kollegium jene magischen Steine einsammeln, die Thanos seine zerstörerische Kraft verliehen haben.

Dass das Instrument der Zeitmaschine ein abgegriffenes Hilfsmittel in diesem Genre ist, dessen sind sich auch die Regisseure Anthony und Joe Russo bewusst. Durch selbstironische Verweise auf einschlägige Zeitreisefilme versuchen sie diese erzählerische Schwäche unschädlich zu machen, was ihnen fast gelingt. Und so teilt sich das Avengers-Kollektiv auf, um in Kleingruppen der Steine habhaft zu werden, die auf der Erde und fernen Planeten versteckt sind. Dabei wird tapfer gekämpft und noch tapferer gestorben und der Mythos superheroischer Unbesiegbarkeit zur Steigerung der Spannung teilweise unterminiert.

Auf drei Kinostunden haben die Russos den letzten Akt der "Avengers"-Reihe gestreckt und rekrutieren im finalen Kampfgemetzel so ziemlich jeden Superhelden, der in den letzten Jahren unter dem "Marvel"-Siegel das Licht der Leinwand erblickt hat. Langweilig wird es bei der ausufernden Betriebsfeier jedoch nicht, weil das Regie-Duo die epische Breite immer wieder humorvoll auflockert und sich auch die Zeit für ruhige Momente nimmt, in denen die Figuren zu (bescheidenen) Selbstreflexionen ausholen dürfen.

Ob es nach diesem rauschenden Finale noch ein Relaunch der "Avengers"-Filme geben wird? Das wird vor allem in neuen Vertragsverhandlungen mit den Schauspielern entschieden, von denen einige sichtbar den finalen Ausstieg suchen, andere wie Brie Larsons "Captain Marvel" und Chadwick Bosemans "Black Panther" sich gerade erst warm gelaufen haben. Auferstehungen gehören im Hause "Marvel" jedenfalls zur Konzernstrategie: Der ertragreiche "Spider-Man" wurde in nur 16 Jahren schon viermal zu neuem Leben erweckt.

"Avengers: Endgame" (Regie: Anthony & Joe Russo) läuft flächendeckend. Ab 12.