Bad bleibt wegen Fledermäusen zu

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Do, 01. April 2021

Breisach

Seltene Altrhein-Fledermäuse haben sich im Waldschwimmbad eingenistet / Baden im neuen Rhein-Freibad als Ersatz.

. Für alle Wasserratten aus Breisach und der Umgebung dürfte es ein Schock sein: Das äußerst beliebte Waldschwimmbad wird auch diesen Sommer geschlossen bleiben. Bei Sanierungsarbeiten wurde auf dem Gelände die extrem seltene und vom Aussterben bedrohte Altrhein-Fledermaus gefunden. Bürgermeister Oliver Rein will indes für Ersatz sorgen: In Höhe der Sportanlagen des Rudervereins soll ein provisorisches Rhein-Freibad mit Sprungturm gebaut werden.

Wie bereits berichtet, war das Breisacher Waldschwimmbad, in dem sich im Hochsommer täglich mehrere tausend Badegäste abkühlen, schon im Sommer 2020 geschlossen. Probleme mit der Chlorung des Wassers hatten die Schließung notwendig gemacht. Um in diesem Sommer das äußerst beliebte Bad wieder öffnen zu können, handelten Stadtverwaltung und Gemeinderat sehr schnell und beschlossen ein mehrere Millionen teures Sanierungskonzept (die BZ berichtete). Seit Monaten sind verschiedene Fachfirmen dabei, das alte Becken durch ein neues zu ersetzen und die Technik zu modernisieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund drei Millionen Euro. Die feierliche Wiedereröffnung des Waldschwimmbades war bereits für den 15. Mai terminiert.

Doch Planer, Stadtverwaltung, Gemeinderäte, Bademeister und natürlich auch die vielen Badenixen, die eine Wiedereröffnung sehnlichst herbeisehnen, haben die Rechnung ohne die sehr seltene Altrhein-Fledermaus gemacht. Sie kommt, wie der Name schon sagt, fast ausschließlich in den Auen des Altrheins vor, wo sie in der Dämmerung hauptsächlich Insekten jagt. Nach Angaben von Tierschützern leben im Rheinauengebiet zwischen Karlsruhe und Basel gerade einmal noch an die 30 Fledermauspaare. Zwei davon haben Mitglieder der Breisacher Grünen nun ausgerechnet in einer Ritze des alten Sprungturms auf dem Schwimmbadgelände gesichtet. Sie informierten Bürgermeister Oliver Rein sowie Experten des Freiburger Regierungspräsidiums. Letztere haben inzwischen bestätigt, dass es sich um zwei Paare der Altrhein-Fledermaus handelt, die auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten steht.

Die Tiere stehen auf der roten Liste

Breisachs Rathauschef Oliver Rein zeigte sich als Natur- und Tierfreund wohl davon angetan, dass die zwei Fledermauspaare Breisach für ihre Fortpflanzung ausgewählt haben. Er sagte jedoch auch: "Sie hätten sich ja nicht gerade das Schwimmbadgelände dafür aussuchen müssen."

Dennoch hat der Bürgermeister schnell gehandelt und die Sanierungsarbeiten sofort unterbrechen lassen. Eine Umsiedlung der seltenen Tiere kommt laut Rein zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht mehr in Frage, da dies die Fortpflanzung der Fledermäuse jäh stoppen würde. "Der Gemeinderat hat erst in seiner Sitzung am Dienstagabend eine Klima-, Umwelt- und Artenschutzoffensive beschlossen. Da können wir doch nicht gleichzeitig Tiere, die auf der roten Liste stehen, vertreiben", sagte der Bürgermeister am Mittwochmorgen auf Anfrage der BZ.

Gleichwohl ist er sich bewusst, dass eine erneute Schließung des Waldschwimmbades in diesem Sommer ohne gleichwertigen Ersatz ein Sturm der Entrüstung bei den Badegästen und womöglich die Gründung einer weiteren Bürgerinitiative nach sich ziehen könnte. Deshalb hat er in einer Eilentscheidung zusammen mit den Vorsitzenden der im Breisacher Gemeinderat vertretenen Gruppen beschlossen, für eine Alternative zu sorgen. Südlich des Breisacher Kulturwehrs, dort, wo normalerweise die Sportler des Rudervereins ihre Boote ins Wasser lassen, soll ein provisorisches Rheinschwimmbad eingerichtet werden.

Die Verantwortlichen des Rudervereins seien wohl von der Idee nicht begeistert, hätten jedoch zähneknirschend zugestimmt. "Geplant ist auch, am Zielrichterturm zwei größere Bretter anzunageln, damit von dort aus Sprünge ins kühle Nass möglich sind", erläuterte Rein weiter. Die Experten des Regierungspräsidiums hätten bereits mit Mitgliedern der Grünen und der Breisacher Umweltliste/Tierschutzpartei das Gelände inspiziert und dort keine Altrhein-Fledermäuse gefunden.

Jeder Gast erhält einen Basler Wickelfisch

In zwei Wochen soll eine Baufirma mit den Arbeiten für das provisorische Rheinschwimmbad beginnen. Geöffnet soll es sein von Anfang Juni bis Ende September. Der Eintrittspreis soll pro Person – egal wie alt – nur ein Euro betragen. Damit es nicht zu Badeunfällen kommt, erhält jeder Gast am Eingang leihweise einen sogenannten Basler Wickelfisch, der das Schwimmen deutlich erleichtert.

"Da müssen wir jetzt halt zusammen durch", sagt Oliver Rein abschließend. Im Herbst würden sich die Fledermäuse einen neuen Unterschlupf suchen, und dann werde der alte Sprungturm im Waldschwimmbad ohnehin abgerissen. "Vielleicht wird unser neues Rheinschwimmbad eine Attraktion", fügt der Bürgermeister hinzu, die nächstes Jahr keiner mehr missen möchte.