Frauen demonstrieren

Aktion "Maria 2.0" auch in Bad Säckingen angekommen

Hans Christof Wagner

Von Hans Christof Wagner

So, 19. Mai 2019 um 13:03 Uhr

Bad Säckingen

Mehr als 50 Personen haben sich am Sonntagmorgen vor dem Fridolinsmünster die Anliegen der Organisatorinnen angehört. Die Resonanz war größer als erwartet.

Mit einer größeren Resonanz als von den Initiantinnen erwartet, ist am gestrigen Sonntag die bundesweite Aktion "Maria 2.0" nun auch in Bad Säckingen angekommen.

Mehr als 50 Personen hörten sich auf dem Münsterplatz die Anliegen der Gruppe an und feierten danach im Pfarrgarten einen alternativen Gottesdienst.

Andrea Koubik, Roswitha Thesing, Danijela Landes, Sonja Spieldenner, Stefanie Brand, Christine Wurche und Waltraud Wunderle, die sieben Frauen hinter der örtlichen "Maria 2.0"-Aktion, trugen vor dem Münstereingang abwechselnd die Forderungen vor, für welche die bundesweite Aktion eintritt: Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern der katholischen Kirche, Aufhebung des Pflichtzölibats, Exkommunikation von Priestern, die Missbrauch begangen haben, und deren Überstellung an die weltliche Justiz.

"Warum sind wir heute hier? Weil wir traurig und auch wütend sind", sagte das Quintett. Die Frauen forderten eine Kirche, die sich der Lebensrealität des 21. Jahrhunderts stelle und nicht an Machtstrukturen des Mittelalters festhalte.

"Wir beschäftigen uns schon viel länger mit diesen Fragen", sagt Roswitha Thesing im Gespräch mit der BZ. "Als wir von Maria 2.0 hörten, entschlossen wir uns dazu, die Aufmerksamkeit für uns zu nutzen." Doch während der Aktionswoche zu streiken, sei für die ehrenamtlich in der katholischen Kirche tätigen Frauen dann doch nicht in Frage gekommen. "Wir haben unsere Aktion auf den Sonntag beschränkt. Unser Ziel war es, mit Gottesdienstbesuchern und Passanten ins Gespräch zu kommen." Und dass taten sie auch, wobei sie auch auf kritische Stimmen stießen.

Viele nahmen auch die Gelegenheit wahr, in die von den Frauen vor dem Münster aufgebauten "Klagemauer" Zettel mit Wünschen nach Veränderung und Aufbruch zu stecken. So mancher unterschrieb auch die an den Freiburger Erzbischof Stephan Burger gerichtete Petition und erklärte sich damit solidarisch mit den Forderungen.

Und während die einen die "offizielle", von Dekan Peter Berg zelebrierte Heilige Messe im Münster feierten, versammelten sich die Kirchenkritiker im Pfarrgarten zu einem alternativen Gottesdienst – bescheiden, improvisiert, ursprünglich. Maria 2.0 heißt die Aktion. Und um Maria ging es im Pfarrgarten auch. Stefanie Brand zeichnete dort ein Bild von Maria als starker, mutiger und selbstbewusster Frau: "Gegrüßet seist du Maria, unsere Verbündete." Dafür gab es Applaus – in "normalen" Gottesdiensten sonst nicht gerade üblich. Das Apostolische Glaubensbekenntnis sprachen sie nicht. Darüber ist eine Besucherin froh: "Im Glaubensbekenntnis ist von der heiligen katholischen Kirche die Rede. Die ist für mich aber schon lange nicht mehr heilig."