Solidarität

Baden-Württemberg nimmt schwerstkranke Corona-Patienten aus dem Elsass auf

Bärbel Nückles und AFP

Von Bärbel Nückles & AFP

Sa, 21. März 2020 um 15:15 Uhr

Elsass

Die Corona-Krise im Elsass verläuft dramatisch. Jetzt werden die ersten schwer an Covid-19 erkrankten Patienten nach Baden-Württemberg gebracht, wo es noch ausreichend Beatmungsgeräte gibt.

Nach der dringenden Bitte um medizinische Hilfe für Covid-19-Patienten aus dem Südelsass werden noch heute Schwerkranke, die beatmet werden müssen, in Kliniken nach Baden-Württemberg überstellt. Brigitte Klinkert, Präsidentin des Départementrates Haut-Rhin, sagte gegenüber der Badischen Zeitung, dass ihr Sozialminister Manne Lucha noch am späten Freitagabend eine Liste mit Kliniken und Militärkrankenhäusern sowie Kontakten per Mail geschickt habe. "Heute Vormittag habe ich diese alle angerufen und mehrere Zusagen erhalten", sagte Klinkert erleichtert. Es sei ihr wichtig zu sagen, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktioniere. "Diese Hilfe ist sehr konkret und für uns eine enorme Erleichterung."

So wird das Uniklinikum Freiburg zwei Patienten aufnehmen – einer ist bereits angekommen. Drei Personen werden nach Heidelberg überstellt, das Klinikum Ulm und das Militärkrankenhaus Ulm stellen zusammen drei Intensivbetten bereit. Zwei weitere sollen jeweils in Mannheim und in Villingen-Schwenningen untergebracht werden. All das zusammen verschafft uns wieder etwas Luft, sagte Klinkert.

Kretschmann hatte Unterstützung des Landes zugesagt

Baden-Württembergs Gesundheitsministerium hatte die Kliniken im Land gebeten, schwerstkranke Corona-Patienten aus Frankreich aufzunehmen. "Die grenznahen französischen Krankenhäuser sind an der Grenze ihrer Behandlungskapazitäten für beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten angekommen", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Geschäftsführer der baden-württembergischen Krankenhäuser.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) habe "die Unterstützung Baden-Württembergs zugesagt", steht weiter in dem auf den 19. März datierten Schreiben. "Wir bitten Sie deshalb, im Rahmen noch vorhandener freier Kapazitäten in Ihren Krankenhäusern beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten aus Frankreich aufzunehmen."

Am Freitag hatte Brigitte Klinkert den Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn und Ministerpräsident Kretschmann um Unterstützung gebeten. Um Hilfe hatte sie auch in der Schweiz angefragt und dort Zusage für die Aufnahme von sechs Kranken erhalten.

Baden-Württemberg hat genug freie Beatmungsplätze

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte am Samstag: "Auch wenn wir in Baden-Württemberg selbst begrenzte Kapazitäten haben und sich leider auch bei uns mancher Engpass auftut, versuchen wir unseren französischen Nachbarn selbstverständlich zu helfen."

Nachdem sich die Versorgungslage der Covid-19-Kranken in den vergangenen Tagen im Elsass und gang besonders im südlichen Teil, dem Haut-Rhin zugespitzt hat, können dort kaum mehr zusätzliche Intensivpatienten aufgenommen und versorgt werden. Allein im Haut-Rhin wurden bislang mehr als 1000 Infektionsfälle bestätigt. Mehr als 50 Patienten sind bislang an der Viruserkrankung gestorben. Allein am Freitag seien in Mulhouse 30 neue Patienten in kritischem Zustand in Mulhouse eingeliefert worden, so Klinkert.

Bereits Anfang der Woche hatte eine französische Militärmaschine sechs Patienten nach Toulon gebracht. Am heutigen Samstag wurden erneut sechs Personen diesmal nach Bordeaux geflogen. Ein französisches Feldkrankenhaus wird seit Freitag neben dem Krankenhaus Mulhouse aufgebaut und soll ab Montag einsatzfähig sein.

Derzeit hat Baden-Württemberg nach Angaben des Ministeriums genug freie Beatmungsplätze, es gebe rund 2300 im Land. Laut Krankenhausgesellschaft BWKG sind aktuell rund 80 Prozent belegt, allerdings derzeit nur mit weniger als 20 Corona-Patienten, wie die Schwäbische Zeitung berichtete.
Hintergrund

Nachdem OB Martin Horn am Freitag berichtet hatte, er wisse von elsässischen Ärzten, die versucht hätten, Covid-19-Patienten angesichts der Notlage im Elsass zu befreundeten Ärzten nach Südbaden zu bringen, seien jedoch an der Grenze zurückgewiesen worden, haben wir bei der Bundespolizei nachgefragt.
Dieter Hutt, Sprecher der Bundespolizei Offenburg, die seit Montag die Grenzkontrollen am Oberrhein koordiniert, erklärt, wie die Bundespolizei bei der Überstellung von Covid-19-Patienten verfahren wird. "Bei der Verlegung von Covid-19-Patienten aus dem Elsass nach Baden-Württemberg, muss der Transport im Vorfeld mit den Gesundheitsämtern abgeklärt werden", sagt Hutt. "Wir werden wiederum durch das Gesundheitsamt informiert."
Hat ein solcher Informationsaustausch nicht stattgefunden, sind die Beamten an der Grenze verpflichtet, Personen, die Covid-19-Symptome aufweisen und die nicht in Deutschland wohnen, die Weiterfahrt zu verweigern.

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