Personalmangel

Baden-Württemberg zahlt für ausländische Pflegekräfte

dpa

Von dpa

Mi, 17. August 2022 um 20:20 Uhr

Südwest

Im Südwesten wird händeringend Pflegepersonal gesucht. Verstärkung kommt aus dem Ausland. Probleme gibt es aber nicht nur mit der Anerkennung der Abschlüsse, sondern auch mit der Sprache.

Auf der Suche nach Pflegekräften aus dem Ausland will Baden-Württemberg seine Anstrengungen intensivieren. Das Land werde verstärkt mit der Bundesagentur für Arbeit zusammenarbeiten und Sprachkurse ausländischer Pflegekräfte in deren Herkunftsland mit einer Million Euro finanzieren, kündigte Gesundheitsminister Manfred Lucha am Mittwoch in Stuttgart an.

Baden-Württemberg nehme künftig an einem Programm der Bundesagentur teil, mit dem Pflegefachkräfte aus Ländern wie Bosnien-Herzegowina, Tunesien, Jordanien und den Philippinen angeworben werden sollen, sagte Lucha. Im Rahmen des 2013 gestarteten Programms "Triple Win" werden potenzielle Beschäftigte schon in ihren Heimatländern auf ihren künftigen Einsatz in deutschen Pflegeheimen vorbereitet. Bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse werden sie ebenso wie bei ihrer Integration an ihrem deutschen Arbeitsplatz von Betreuern unterstützt. So soll vor allem sichergestellt werden, dass die Anwerbung der Menschen rechtlich und moralisch einwandfrei verläuft und die Herkunftsländer ebenfalls profitieren. Eine Auflage für "Triple Win" ist, dass in den Herkunftsländern selbst kein Mangel an Pflegekräften herrschen soll.

"Bereits im Herkunftsland erworbene Sprachkenntnisse erleichtern sowohl den interessierten ausländischen Fachkräften als auch den beteiligten Institutionen und Pflegeeinrichtungen im Land den Prozess der Eingliederung in den Arbeitsmarkt", sagte Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg. Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe sieht die Sprache als Voraussetzung: "Das ist ein kommunikativer Beruf, Sprache spielt da eine zentrale Rolle", sagte die Landesvorsitzende Andrea Kiefer.

Nach Angaben Luchas haben im Jahr 2020 rund 1700 Pflegekräfte aus dem Ausland auf der Grundlage ihrer Qualifikation grünes Licht zum Arbeiten in Deutschland bekommen, bei weiteren rund 2000 ist die Erlaubnis eingeschränkt, weil zum Beispiel noch Prüfungen fehlen. Über das Programm "Triple Win" hofft das Land, weitere 200 Pflegekräfte zu gewinnen. Das reiche aber nicht aus, betonte Lucha.

Aus Sicht der oppositionellen AfD-Fraktion setzt Lucha falsch an: "Wenn in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland niemand im Pflegebereich arbeiten will, dann muss man an den Bedingungen in diesem Bereich etwas ändern und nicht einfach in schlimmster Kolonialherrenmanier Arbeitskräfte aus dem Ausland ,rekrutieren‘", sagte AfD-Fraktionschef Bernd Gögel.

Die Zeit drängt, denn die Situation in der Altenpflege in Baden-Württemberg wird nach einer Prognose der Krankenkasse Barmer brisanter als bisher angenommen. Bis zum Jahr 2030 werden demnach rund 710 000 Menschen auf entsprechende Hilfe angewiesen sein. Das wären über ein Fünftel mehr Menschen als bislang angenommen. Zugleich fehlen laut Barmer zusätzlich Tausende Pflegekräfte.