Staatskonzern

Bahn will Arriva loswerden

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Fr, 22. März 2019 um 07:21 Uhr

Wirtschaft

Die Deutsche Bahn AG bereitet den Verkauf der britischen Tochter DB Arriva vor, die 60.000 Mitarbeiter in 14 Ländern beschäftigt.

Der Aufsichtsrat des größten Staatskonzerns soll nach Informationen der Badischen Zeitung am Mittwoch die Grundsatzentscheidung dazu fällen.

Demnach wird DB-Chef Richard Lutz den Auftrag bekommen, bis zum Herbst einen Fahrplan zur Abspaltung vorzulegen. In der Vorlage für den DB-Aufsichtsrat heißt es, dass bis dahin ein Wirtschaftsprüfer und eine Investmentbank beauftragt werden sollen, um den Firmenwert zu ermitteln und Investoren zu finden. Die Option, Arriva an die Börse zu bringen oder nur zum Teil zu verkaufen, bleibt zunächst offen. Ein Bahnsprecher wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren und verwies auf das Treffen des Aufsichtsrats.

Der Verkauf von Arriva soll die großen Finanzprobleme des ertragsschwachen und mit rund 20 Milliarden Euro hoch verschuldeten Bundesunternehmens etwas lindern. Ein vollständiger Ausstieg könnte drei bis vier Milliarden Euro bringen, heißt es. Das gilt jedoch als ungewiss, weil der Brexit den Wert mindern könnte. Die DB hatte Arriva kurz nach dem Antritt von Ex-Chef Rüdiger Grube für drei Milliarden Euro gekauft und dafür weitere hohe Kredite aufgenommen.

Mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz und 301 Millionen Euro bereinigtem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) steuerte Arriva 2017 rund ein Achtel zum DB-Konzernumsatz und knapp ein Siebtel zum Betriebsgewinn bei. Die neuen Zahlen werden am Donnerstag auf der DB-Bilanzpressekonferenz in Berlin veröffentlicht.

Laut internen DB-Unterlagen, die unserer Redaktion vorliegen, bringt die britische Tochter rund neun Prozent Kapitalrendite. Demnach ist Arriva nur halb so profitabel wie die DB-Logistiktochter Schenker, die weltweit mehr als 70 000 Mitarbeiter beschäftigt. Auch deren Verkauf wird von Teilen der Opposition im Bundestag schon lange gefordert, da Lkw-, Luft- und Schiffstransporte nicht die Aufgabe eines Staatsunternehmens seien. Die Regierungskoalition hat sich aber dem Vernehmen nach darauf verständigt, Schenker vorerst zu behalten.

In den internen DB-Unterlagen wird das gebundene Kapital bei Arriva auf 3,4 Milliarden Euro veranschlagt. Die Nettoschulden werden mit 900 Millionen Euro angegeben. Daraus ergibt sich ein Substanzwert von rund 2,5 Milliarden Euro. Für den Verkaufspreis spielt aber meist der Ertragswert die wichtigere Rolle, also die kalkulierten Gewinne der nächsten Jahre.

Der Verkauf von Arriva und Schenker ist seit Jahren in der Bundesregierung und im Konzern umstritten. Befürworter argumentieren, die DB solle sich auf das deutsche Kerngeschäft konzentrieren und die Einnahmen für die nötige Modernisierung des Schienennetzes, der Bahnhöfe und Zugflotten einsetzen. In den Konzernplanungen klafft eine gewaltige Finanzlücke von vier Milliarden Euro, wie DB-Chef Lutz selbst im Aufsichtsrat bei der Vorstellung seiner 200-seitigen "Agenda für eine bessere Bahn" betonte. Die Gegner des Verkaufs verweisen darauf, dass das internationale Geschäft deutlich größere Renditen abwerfe als das Geschäft der DB im Inland.
Arriva

Die Bahntochter ist vor allem in Großbritannien bekannt. Das Unternehmen entstand aus einem Motorradladen, den die Familie Cowie 1938 in der englischen Stadt Sunderland eröffnete. Heute beschäftigt Arriva rund 60 000 Mitarbeiter, besitzt mehr als 1000 Züge sowie 17 000 Busse und betreibt allein auf der Insel mehr als 800 Bahnhöfe und 48 000 Haltestellen. Das Unternehmen betreibt unter anderem die berühmten roten Doppeldeckerbusse in London.