Lörrach

Bahnhofsprojekt fällt bei der IBA 2020 vorläufig durch

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Mi, 15. Mai 2019 um 18:07 Uhr

Lörrach

Das Projekt "Am Zoll" erhält das Label, am Hauptbahnhof sind aber deutliche Nachbesserungen nötig / Stadt bleibt am Ball

Von den beiden Lörracher Projekten für die Internationale Bauausstellung (IBA) Basel 2020 wurde nur "Am Zoll Lörrach/Riehen" mit dem IBA-Label ausgezeichnet (wir berichteten). Das zweite Lörracher Projekt, der Hauptbahnhof, hat die Jury nicht überzeugt, es hat das Label nicht erhalten. Der Hauptbahnhof bleibt aber vorerst nominiert. In der Begründung würdigt die IBA zwar den Bahnhof als Verkehrsdrehscheibe mit Fahrrad, Carsharing und E-Mobilität, sieht aber das Projekt noch nicht weit genug vorangeschritten. "Wir bedauern die Entscheidung, sehen aber in dem Hauptbahnhof und dem umliegenden Quartier ein großes Entwicklungspotential", kommentiert Lörrachs Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic die Entscheidung. Es bleibe der Stadt weiterhin Ansporn, das Label zu erhalten. Vor allem die anstehenden städtebaulichen Entwicklungen rund um den Hauptbahnhof mit dem Wohn- und Geschäftshaus Lö und dem Areal Conrad auf der anderen Seite der Bahnlinie würden diesen zentralen Ort in der Stadt aufwerten und damit dem Bahnhofsareal selbst enorme Schubkraft verleihen, so Neuhöfer-Avdic.

Stärken und Defizite werden benannt

Der Lörracher Hauptbahnhof soll mit der IBA zum Modellbahnhof der Trinationalen Agglomeration entwickelt werden. Er sei bereits eine Verkehrsdrehscheibe, an der Zug, Bus, Radverkehr und Taxis zusammentreffen. Defizite attestiert die Projektgruppe Aktive Bahnhöfe dem Lörracher Hauptbahnhof bei der Aufenthaltsqualität und der Vernetzung und Orientierung Richtung Innenstadt, Bahnhofsvorplatz und Busbahnhof. Es fehle an einer einheitlichen Oberflächengestaltung, die Unterführung sei unattraktiv, es gebe im Umfeld dunkle Nischen, die vernachlässigt wirkten, vor dem Eingang dominierten Autos. Positiv schlugen unter anderem das großzügige Gebäude und die Velostation zu Buche. An Maßnahmen ist vorgeschlagen, bis 2020 die Freiflächen rund um Bahnhof und Rathaus zu gestalten und zusammen mit Partnern temporär für kulturelle, sportliche und andere Aktionen zu nutzen, um das Quartier attraktiver zum machen und besser mit dem Busbahnhof zu verknüpfen. Priorität haben auch eine Aufwertung der Unterführung und verbesserte Informationen für Passanten. Zweite Priorität hat ein umfassendes Gestaltungskonzept mit dem Ziel, den Bahnhof und sein Umfeld aufzuwerten und besser mit der Innenstadt zu verknüpfen.

Aktuell arbeite man am öffentlichen Raum rund um den Bahnhof und das künftige "Lö", erklärt Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic zum weiteren Vorgehen. Der Bahnhofsplatz werde im Sommer im Rahmen von Aktionswochen ("Platz da!") wieder vom SAK belebt. Auch beobachte die Stadt, wie der Platz im Alltag von den Menschen genutzt wird, um zu einer passgenauen Planung zu kommen. Mit der Bahn sei man im Gespräch wegen einer grenzüberschreitend abgestimmten Signaltechnik und der Aufwertung des Bahnhofsareals. Wichtig sei die Gestaltung der Unterführung Richtung Agentur für Arbeit, hier soll ein Wettbewerb, der in Zusammenarbeit mit der IBA ausgelobt wird, Ideen liefern. Diese Verbindung werde mit der Bebauung des Areals Conrad an Bedeutung gewinnen. Die Stadt arbeite und plane intensiv an diesem wichtigen Innenstadtbereich und sei zuversichtlich, dass die Umsetzung 2020 beginnen könne.

Projekt am Zoll hat Modellcharakter

Anders als der Hauptbahnhof hat das Projekt "Am Zoll Lörrach/Riehen" nicht nur das IBA-Label erhalten, sondern qualifizierte sich als eines der Vorhaben mit Modellcharakter. Das Vorhaben wird durch das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" gefördert. Es wurde ausdrücklich wegen der "soliden städtebaulichen Entwicklung der komplexen, grenzüberschreitenden Fragestellung und dem modellhaften Ansatz des digitalen Testraumes" ausgezeichnet. Zudem würdigt die Jury, dass das Projekt die Konzeption der Basler Straße, die Einführung einer Tram und den Ausbau des Bahnhofs Stetten zur Mobilitätsdrehscheibe ermögliche. Das Projekt gehört mit 17 weiteren Ausgezeichneten zu den offiziellen Projekten für die IBA Schlusspräsentation im Sommer 2020. Die Stadt freue sich sehr über das Label, so die Bürgermeisterin. "In dem Quartier sollen neue Alltagsorte für die Bevölkerung beiderseits der Grenze geschaffen und durch eine Verbindung der beiden Naherholungsgebiete Tüllinger Berg und Maienbühl eine bessere Lebensqualität erreicht werden", erläutert Neuhöfer-Avdic die Zielsetzung. Lörrach sei dabei, aus einem Raum, der bisher überwiegend dem Verkehr dient, einen Lebensraum zu machen.

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