BZ-Umfrage

Bargeldloses Zahlen auch im Hochschwarzwald immer beliebter

Liane Schilling

Von Liane Schilling

So, 21. Februar 2021 um 15:10 Uhr

Titisee-Neustadt

Die Corona-Pandemie hat den bereits seit mehreren Jahren bestehenden Trend zum bargeldlosen Zahlen beschleunigt – auch in den kleineren Geschäften der Region.

Dies belegen Zahlen der Banken ebenso wie die Erfahrungen der meisten Einzelhändler. Entsprechend sind Auszahlungen von Bargeld rückläufig. Sie gingen bei der Sparkasse 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück, bei der Volksbank waren es rund zehn Prozent.
Während eines Lockdowns nehmen die Bargeldabhebungen temporär ab, da das öffentliche Leben deutlich zurückgefahren wird, ist die Erfahrung, aber nach Aussage des EHI Retail Institute (Forschungs- und Bildungsinstitut für den Handel) war bereits 2019 die Karte erstmals beliebtestes Zahlungsmittel in Deutschland.

Dieser Service werde einfach erwartet, ist die Erfahrung von Thomas Kopfmann, Inhaber der Metzgerei Kopfmann in Neustadt. Das Terminal für bargeldloses Zahlen gehört bei ihm schon lange zur Ausstattung. Immer zu Beginn eines Lockdowns sei die Zahl der Bargeldloszahler gestiegen, ist seine Beobachtung. Wenn das Thema nicht mehr in aller Munde sei, lasse die Tendenz aber wieder nach. Da er in seinen Geschäften keine speziellen Kassiererinnen hat, ist der Aufwand von Händewaschen und desinfizieren bei beiden Methoden derselbe, erklärt der Metzgerei-Inhaber. Der Verwaltungsaufwand sei bargeldlos geringer, weil der Kassenstand mit einem Knopfdruck zu ermitteln sei. Allerdings fallen monatlich je Laden 150 Euro bis 200 Euro an für Transaktions- und Grundgebühren, Wartung und Hotline. Aber auch Bargeldverkehr koste Geld, etwa beim Einzahlen von Münzen, die gezählt werden müssen oder bei der Abholung von Geldrollen für den Wechselgeldbestand.

Auch Marina Winterhalder von Naturkost Sesam in Neustadt verzeichnet ein "deutliches Plus" bei der Kartenzahlung. Rund 60 Prozent der Kunden nutzt das Angebot, früher waren es 30 bis 40 Prozent, berichtet sie. "Wenn die Technik funktioniert, ist die EC-Karte eine Erleichterung, ermöglicht zügiges Arbeiten und vermeidet Wechselgeldfehler", ist ihre Erfahrung. Allerdings fallen Gebühren und separate Abrechnungen für bestimmte Kreditkarten an. Trotzdem will Winterhalder ihren Kunden "den Service auf jeden Fall bieten".

Das will ebenso der Dorfladen in Rötenbach, der seit der Eröffnung 2014 ein Kartenterminal betreibt. Der Dienst wird "seit der Pandemie auf jeden Fall stärker beansprucht", berichtet Geschäftsführer Helmut Büchele, der damit auch die Kundenbindung pflegen möchte. Auch Bargeldabhebung ist möglich, die Mindestgrenze für Kartenzahlung ist aufgehoben. Dennoch ist ihm persönlich Bargeld lieber, weil kostengünstiger.

Einen anderen Weg geht Joscha Krause, von der Kaffeerösterei in Löffingen. Er sieht im Bargeld eine persönliche Geste der Wertschätzung und des direkten Austauschs. Er gebe einen Teil seiner Arbeit an den Kunden ab und bekomme dafür direkt einen Teil dessen, was der Kunde sich erarbeitet hat. Nur vereinzelt gebe es Anfragen für Kartenzahlung beim Direktkauf, Online-Vorbestellung mit Überweisung bietet er als Alternative.

In den Schmidts Märkten hat der bargeldlose Zahlungsverkehr in der Pandemie zugenommen, gehe aber momentan wieder zurück, ungefähr auf die Werte vor der Pandemie, berichtet Geschäftsführer Michael Schmidt. Für ihn gibt es kein bevorzugtes Zahlungsmittel, es gilt auch keine Mindestgrenze. Allgemein sieht er in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Kartenzahlung.

Auch Simone Laufer verzeichnet an der Tankstelle im Autohaus Laufer in Löffingen eine Steigerung der bargeldlosen Geschäfte, auch bei älteren Leuten. Mittlerweile bezahlen etwa zwei Drittel der Kunden mit Karte und die Telecash-Firma ist dem Betrieb auch mit der Gebührenregelung entgegengekommen, erklärt sie.

Alle seine neun Standorte, Bäckereifilialen und Cafés hat Dirk Fischer mit Kartenterminals ausgestattet. Er verzeichnet einen "sehr starken Trend zum bargeldlosen Bezahlen, auch bei kleinen Beträgen". Fischer setzt daher auch keine Untergrenze und akzeptiert auch alle gängigen Zahlungsmöglichkeiten. "Das wird von den Kunden erwartet, speziell von den ausländischen Touristen", erklärt er. Da er einen "sehr guten Dienstleister gefunden" habe, halte sich in dem Bereich die finanzielle Belastung in Grenzen, berichtet Dirk Fischer.

Der Bedarf an Terminals hat über alle Branchen hinweg zugenommen, vor allem Kleinbetriebe schaffen sie vermehrt an, bestätigen die Vertreter der Banken. Stieg die Zahl der Geräte beispielsweise der Sparkassenkunden im Vergleich von 2018 zu 2019 nur um zwei Prozent, waren es von 2019 zu 2020 neun Prozent. Die Bankkarte oder Girokarte ist die beliebteste Karte in Deutschland und verzeichnet die höchste Akzeptanz. 2020 haben laut Girocard 21,7 Prozent mehr Transaktionen stattgefunden als 2019.

Die Sparkasse Hochschwarzwald verzeichnet im selben Zeitraum eine Steigerung der Transaktionen um rund fünf Prozent, die Volksbank Freiburg um zwölf Prozent. Die Statistik der Volksbank belegt, dass dort sogar 20 Prozent der Kunden eine Kreditkarte der Girocard vorziehen.