Barr kritisiert Trump wegen dessen Twitterei

afp

Von afp

Sa, 15. Februar 2020

Ausland

Einmischung in Strafverfahren.

WASHINGTON (AFP). US-Justizminister William Barr hat überraschend scharfe Kritik an Präsident Donald Trump geübt: Barr, der als enger Verbündeter Trumps gilt, warf dem Präsidenten vor, mit seinen Äußerungen im Kurzbotschaftendienst Twitter die Arbeit seines Ministeriums zu behindern. Die Twitter-Kommentare machten ihm die Arbeit "unmöglich", sagte Barr dem Sender ABC News am Donnerstag. Vorwürfe, Trump habe ihm Anweisungen für laufende Strafverfahren gegeben, wies der Minister aber zurück.

"Ich kann meine Arbeit hier im Ministerium nicht machen mit ständigen Kommentaren aus dem Hintergrund, die mich untergraben", "Ich habe ein Problem mit einigen der Tweets", sagte Barr im Interview mit dem Sender. Er denke, es sei "an der Zeit, damit aufzuhören, über Kriminalfälle des Justizministeriums zu twittern", fügte er hinzu.

Der scharfe Angriff kam völlig unerwartet, da Barr als vehementer Verteidiger des Präsidenten gilt. Nach Barrs Äußerungen wurden deshalb Spekulationen laut, mit dem Interview solle womöglich eher die öffentliche Meinung im Vorfeld von Barrs Befragung im US-Repräsentantenhaus beeinflusst als echte Kritik an Trump geübt werden.

Barr wird am 31. März im Repräsentantenhaus zu seiner Amtsführung Stellung beziehen. Die in der Kongresskammer dominierenden Demokraten werfen dem Minister vor, Trump Gefälligkeitsdienste zu erweisen, zuletzt im Umgang mit dem Fall des in der Russland-Affäre verurteilten früheren Trump-Beraters Roger Stone. US-Präsident Donald Trump hat sich derweil unbeeindruckt von Kritik seines Justizministers Barr und der Aufforderung nach Zurückhaltung in Strafverfahren gezeigt. Er habe als Präsident das Recht, vom Justizministerium ein Eingreifen in ein Strafverfahren zu verlangen, schrieb Trump auf Twitter.