Kommunalwahl

Begegnungshaus und Nadelhof sind die wichtigsten Themen in Stegen

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 21. Mai 2019 um 18:17 Uhr

Stegen

In Stegen konkurrieren bei der Kommunalwahl vier Listen um 14 Gemeinderatssitze. Das Thema Windkraft wird kontrovers diskutiert. Und es gibt den Wunsch nach einem digitalen Ratssystem.

In Stegen verlässt mit dem Ausscheiden altgedienter Gemeinderäte auch viel kommunalpolitische Erfahrung das Gremium. Nach einer turbulenten Legislaturperiode mit Bürgermeisterwechsel und einem heißumkämpften Bürgerentscheid um das Begegnungshaus werden dieses Thema und die Entwicklung des geplanten Neubaugebiets Nadelhof für die neugewählten Ratsmitglieder im Mittelpunkt der nächsten fünf Jahre stehen.

CDU

Für die CDU, mit bisher fünf Sitzen stärkste Gruppierung, sieht Stephan Gutzweiler mit dem Ausscheiden von Peter Rombach und Tanja Zipfel einen herben Verlust. "Peter Rombach war über 30 Jahre im Gemeinderat und ist ein großer Kenner der Gemeinde, von dessen Wissen wir stets profitiert haben, und Tanja Zipfel hat stets auf den pfleglichen Umgang mit den Gemeindefinanzen geachtet."

Rückschauend habe sich der Wechsel im Bürgermeisteramt mit Fränzi Kleeb als Nachfolgerin von Siegfried Kuster völlig reibungslos vollzogen, und es wäre im Interesse der Gemeinde wünschenswert, wenn Kleeb nun auch in den Kreistag gewählt würde. Der Kraftakt der Ortskernsanierung mit dem neuen Einkaufsmarkt sei grundsätzlich positiv zu bewerten, vielleicht hätte es weniger Beton und dafür mehr Grün auch getan.

Das Begegnungshaus, von Anfang an einhellig und geschlossen vom Gemeinderat unterstützt, trete nun nach gewonnenem Bürgerentscheid in die Realisierungsphase. Für das neu zu entwickelnde Baugebiet Nadelhof Oberbirken wünsche sich die CDU zwei Bauabschnitte. Es solle dort eine Mischung aus reduziertem Flächenverbrauch und Erhaltung des Dorfcharakters entstehen. Das bedeute nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch maßvolles Bauen in die Höhe.

Für das Ortsteilkonzept für Eschbach könne man sich die Umnutzung des Rathausgebäudes und die Verlegung der Ortsverwaltung in die Schule bei gleichzeitiger energetischer Sanierung vorstellen. Weiterhin müsse der fehlende Radweg an der Engstelle in Eschbach dringend verwirklicht werden. Die CDU wolle in den nächsten fünf Jahren weitere Impulse für Klima- und Artenschutz setzen. Hier seien die Gemeinde, aber auch die Bürger als Privatpersonen gefordert.

Insgesamt sei das Klima im Gemeinderat unter den Listen und mit der Verwaltung überwiegend kollegial und zielführend gewesen – mit Ausnahme der sich ewig hinziehenden Diskussionen um Windräder auf dem Brombeerkopf und drei weiteren Standorten. Hierbei stünden der hohe Aufwand und die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds in keinem Verhältnis zum erhofften Ertrag.

FWG

Stefan Willmann kandidiert als einziger der bisher vier Vertreter der Freien Wählergemeinschaft (FWG) erneut. Er bedauert besonders, dass Siegfried Thiel nach mehr als 30 Jahren das Gremium verlässt. "Mit ihm verlieren wir viel Sachverstand und eine ausgleichende Kraft. Für die FWG bedeutet die Rotation auf jeden Fall einen großen Wandel." Trotzdem zeigt er sich optimistisch und hofft auf ein Ergebnis vier plus x.

Der Bürgermeisterwechsel habe nahtlos funktioniert, sagt Willmann. So konnten die schon begonnene Ortskernsanierung, die Entwicklung des Gewerbegebiets sowie die Planungen für das Begegnungshaus am Stockacker als kommunale Großprojekte gut weitergeführt werden. Nach dem erfolgreichen Ausgang des Bürgerentscheids sei nun die Realisierung des Begegnungshauses auf gutem Wege, der noch amtierende Gemeinderat hat sich für den Standort Nadelhof als neues Baugebiet entschieden. Für die FWG ist wichtig, dass hier "verträglich und mit Augenmaß gebaut wird." Mit konzeptioneller Beteiligung der Bevölkerung soll im Nadelhof bezahlbarer Wohnraum entstehen, und bei allem Zwang zur Reduzierung des Flächenverbrauchs dürfe aber das Ortsbild nicht zerstört werden.

Als weitere kommunalpolitische Schwerpunkte für die Zukunft nannte Willmann die digitale Vernetzung, die Erhaltung der Schule, die Vereinsunterstützung und die Entwicklung eines Ortsteilkonzepts für Eschbach.

Grüne

Bei den Grünen kandidieren alle drei bisherigen Vertreter im Ratsgremium wieder. Pit Müller würde sich freuen, wenn ein weiterer Sitz diesmal hinzukäme, "wir eiern deswegen aber nicht herum".

Die Wahl von Franzi Kleeb habe für den Gemeinderat einen Einschnitt bedeutet mit einigen Veränderungen in der Arbeitsweise des Gremiums. Trotz der mitunter kontroversen Debatten habe das Gemeinderatsteam in der Regel auf der Sachebene zielführend zusammen gearbeitet.

Besonders wichtig schätzt Müller in der vergangenen Periode die gründliche Erarbeitung und Formulierung des Klimaschutzkonzepts der Gemeinde ein, die schon 2015 auf den Weg gebracht wurden. Der bürgerschaftliche Arbeitskreis zu diesem Thema tagt seitdem erfolgreich, und Grüne sind darin sehr aktiv. Die Bewertung der Windenergie sei dabei leider zu schlecht weggekommen, da durch Windkraft noch bedeutend mehr Kohlendioxid-Einsparungen möglich wären. Vorbehaltlos stehe man hinter dem glücklichen Ausgang des Bürgerentscheids für das Begegnungshaus, "für das es nun konkret wird". In Zukunft wollen sich die Grünen für mehr Transparenz der gemeinderätlichen Arbeit für die Bevölkerung einsetzen.

Dazu gehöre die Einführung eines digitalen Ratssystems, ähnlich wie etwa in Kirchzarten mit der Veröffentlichung und Archivierung der Sitzungsvorlagen und der Beschlüsse. Auch die Themen und Ergebnisse der nichtöffentlichen Sitzungen müssten dort unter sorgfältiger Beachtung des Datenschutzes bekannt gegeben werden.

Für das Baugebiet Nadelhof folge aus dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ein flächensparendes Bauen. Dies heiße, verdichten und in die Höhe auf kleinen Grundstücken zu bauen. Als Bestandteile der Ortsentwicklung Eschbach müssten durchgängige Fuß- und Radwege geplant sowie das Problem des Hochwasserschutzes im Steurental angegangen werden.

SPD

Bei der SPD, bisher mit zwei Sitzen vertreten, kandidiert Klaus Kiesel nicht mehr. Claudia Glißmann tritt erneut an und hofft, dass im neuen Gemeinderat das Doppel gehalten wird oder ein drittes Mandat hinzukommt. Dies sei nicht ausgeschlossen, könne die SPD doch auf Erfolge ihrer Arbeit verweisen. Dazu gehöre die Einstellung eines interkommunalen Integrationsmanagers, wo man initiativ gewesen sei. Weiterhin habe man sich für neue Fenster in der Eschbacher Schule eingesetzt, die Kernzeitbetreuung mit vorangetrieben und die Gewerbepark-Erweiterung tatkräftig unterstützt. Gleiches gelte für die Reduzierung der Geschwindigkeit auf der L 133 auf Höhe des SBBZ.

Die Arbeit des Gesamtgremiums erhält von Glißmann die Note gut. Insbesondere die Auseinandersetzung um das Begegnungshaus habe den Gemeinderat zusammengeschweißt. Vorausblickend gehe es jetzt darum, das Begegnungshaus transparent und unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger voranzubringen.

Im Baugebiet Nadelhof müsste vor allem bezahlbarer und sozialer Wohnraum entstehen. Bei der Bürgerbeteiligung und im Ratsgremium werde sich die SPD für eine klimaneutrale Energieversorgung für das Neubaugebiet einsetzen und für die Einrichtung eines zusätzlichen Kindergartens im Hinblick auf die Zielgruppe "junge Familien". Mit dem Blick auf Transparenz und Bürgerinformation beklagt Glißmann das Fehlen eines internetbasierten Ratssystems. Dafür werde man sich im neuen Rat stark machen.


Die Kandidatinnen und Kandidaten:


CDU

Sabine Behrends (49 Jahre), Wissenschaftsjournalistin; Sonja Ernst (54), Diplom-Betriebswirtin; Stephan Gutzweiler (55), Forstdirektor; Tobias Heizmann (23), Maurer- und Betonbaumeister; Wolfgang Isfort (48), Diplom-Bauingenieur; Marjeta Kohn-Maier (65), Rentnerin; Werner Läufer (52), Bauleiter; Lorena Litzner (38), Leiterin Kernzeitbetreuung; Wolf Dieter Möltgen (44), Apotheker; Daniel Rösch (55), Bildhauermeister; Martin Rombach (48), Klempnermeister; Dieter Schalk (50), Lehrer; Matthias Wehrle (36), Bilanzbuchhalter; Jannik Würmle (18), Schüler.

FWG

Stefan Bölli (49), Diplom-Sozialarbeiter, Betriebswirt; Daniel Braitsch (30), Geschäftsführer; Leo Fink (33), Fliesenlegermeister; Klaus Göppertin (55), Diplom-Ingenieur; Andrea Hug (55), Pflegepädagogin M.A.; Andreas Hummel (25), Student; Rainer Kintzinger (62), Diplom-Heilpädagoge;

Matthias Martin (58), Gebietsverkaufsleiter; Rudi Rebmann (50), Elektromeister; Johannes Schweizer(46), Drechslermeister; Simone Vinnay-Wolf (54), Diplom-Sozialpädagogin FH, Erzieherin; Patrick Volk (49), Bauingenieur; Max Werner (34), Geschäftsführer; Stefan Willmann (43), Bankkaufmann.

Bündnis 90/Die Grünen

Pit Müller (64), selbständiger Landschaftsarchitekt; Elisabeth Krogmann (64), Lehrerin; Michael Stumpf (62), Mathematiker und Umweltpsychologe; Marlene Edele (65), Marktbeschickerin; Klaus Meister (62), Altenpfleger und -therapeut; Ute von Zastrow (61), selbständige Kunsttherapeutin;

Götz Mosig-Baumeister (74) Diplom-Kaufmann; Matthias von Zastrow (62), Arzt; Uwe Hinz (52), Physiotherapeut; Eva Krogmann (38), Psychologische Psychotherapeutin; Peter Schilken (62), Ingenieur; Ingrid Geiß (52), Verwaltungsbeamtin; Jörg Grotefendt (64), Diplom-Physiker.

SPD

Claudia Glißmann (60), Verwaltungsangestellte; Mark Rauschkolb (46), Angestellter; Katja Amaranto-Raff (35), Diplom-Sozialpädagogin;

David Geist (36), Lehrer;

Margret Wassermann (75), Rentnerin; Isolde Hartung (66), Rentnerin; Jennifer Sühr (35), Sozialarbeiterin B.A.; Andrea Dick (58), Industriekauffrau.