Jugend und Beruf

Bei Chirurgiemechanikern ist Präzision unabdingbar

Katja Wallrafen

Von Katja Wallrafen (dpa)

Mo, 20. September 2021 um 12:29 Uhr

Ärztinnen und Ärzte brauchen das richtige Werkzeug. Das herzustellen, ist der Job von Chirurgiemechanikern und -mechanikerinnen. Genau wie im OP-Saal ist hierbei höchste Konzentration gefragt.

Pascal Scheu ist stolz darauf, dass er als Chirurgiemechaniker dafür sorgt, dass der Gesundheitsbranche ausgezeichnetes Werkzeug zur Verfügung steht. Der 20-Jährige ist im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, Einsatzgebiet Instrumententechnik. Bei der Aesculap AG in Tuttlingen hat er etwa die Herstellung von Arterienklemmen, Bulldogklemmen und Aneurysmenclips erlernt. Das Unternehmen ist auf die Produktion von Medizinprodukten und -technik für die Chirurgie spezialisiert.

Für eine Operation benötigen Chirurginnen und Chirurgen Arterienklemmen, Wundspreizer, Knochenstanzen oder anatomische Pinzetten, die in einem speziell dafür benötigten Sterilcontainer aufbewahrt werden. Neben dem Handwerkszeug für die ärztliche Kunst produzieren Chirurgiemechaniker auch Implantate, etwa Titanschrauben, die eine Bandscheibe stützen.

"Wir stellen das Instrumentarium nicht nur her, wir reparieren es auch", sagt Pascal Scheu. "Wir schweißen, wir schleifen, wir montieren, wir schärfen Instrumente, wir prüfen – unsere Arbeit ist äußerst abwechslungsreich, das finde ich gut."

Der 20-Jährige hat sich nach seinem Realschulabschluss nach einem Ausbildungsberuf umgesehen, der sowohl handwerkliches Geschick als auch den Umgang mit modernen Maschinen verlangt. Während eines Schülerpraktikums konnte er einen ersten Eindruck gewinnen.

Zu Beginn der Ausbildung geht es vor allem darum, ein Gefühl für Material und Maße zu entwickeln. Die Azubis arbeiten mit Werkstoffen wie Aluminium, Messing und Edelstahl. Sie handhaben traditionell Hammer, Säge und Feile – allerdings mit Fingerspitzengefühl. Seither hat Scheu unterschiedliche Abteilungen durchlaufen, unter anderem auch den Bereich Messtechnik und Kalibration. "Dort dreht sich alles um Messen und Kalibrieren, bis in den Tausendstel-Millimeter-Bereich", sagt er. "Ab dem zweiten Ausbildungsjahr lernen wir auch das Programmieren, denn bereits heute spielt die Automatisierung in der Produktion eine große Rolle."

Besonders interessant fand er es auch, Implantate herzustellen. Noch besser gefällt ihm allerdings der Prototypenbau. "Da kann man wirklich etwas Neues mitentwickeln, das ist sehr interessant und abwechslungsreich." Technisches Verständnis, logisches Denken und eine gute räumliche Vorstellungskraft gehören dem Azubi zufolge zu den wichtigsten Voraussetzungen für den Beruf. Aber auch Akribie und die Fähigkeit zur Konzentration sind laut Vanessa Gfell wichtig. Sie ist Scheus Lernbegleiterin und hat die Ausbildung selbst vor einigen Jahren absolviert. Im Anschluss hat sie sich zur Industriemeisterin für Medizintechnik weitergebildet. In der Ausbildung erwerben die angehenden Chirurgiemechaniker auch Kenntnisse in Anatomie, denn sie müssen wissen, wie die Instrumente später eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu Azubi-Kollegen aus anderen Bundesländern hat Pascal Scheu die Berufsschule direkt vor der Tür. Denn die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen ist die einzige Berufsschule für Chirurgiemechaniker in Deutschland.

Grundsätzlich stehen die Chancen gut, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Die Medizintechnik gilt als zukunftsfest und hat laut dem Branchenverband Bundesverband Medizintechnologie (BVmed) einen großen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften.

Pascal Scheu will allerdings weiterlernen. "Die Ausbildung ist eine gute Grundlage, und bei mir wurde das Interesse an der Entwicklung geweckt, ich möchte nun Maschinenbau studieren", sagt er.
Aktuelle Ausbildungsplätze sind hier gelistet.