Energiekrise

Bei hohen Nachzahlungen haben Menschen mit wenig Geld Anspruch auf finanzielle Hilfe

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Do, 24. November 2022 um 15:38 Uhr

Wirtschaft

Wegen der Energiepreise drohen hohe Nachzahlungen. Werden diese fällig, können Menschen mit geringem Einkommen eine Unterstützung beantragen. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an.

Wenn eine hohe Rechnung wegen der gestiegenen Energiepreise ins Haus flattert, haben Erwerbstätige mit kleinem Einkommen und Rentner mit geringen Renten Anspruch auf Unterstützung. Das gilt auch, wenn sie sonst kein Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung im Alter bekommen. Voraussetzung für die einmalige Hilfe ist, dass Erwerbsfähige einen Antrag beim Jobcenter stellen. Rentnerinnen und Rentner beantragen die Hilfe beim Sozialamt. Wichtig ist, dass der Antrag in dem Monat gestellt wird, in dem die Rechnungen, sei es die Heizkostenabrechnung oder die Rechnung für das Füllen des Heizöltanks, fällig werden.

Einmaliger Bedarf an Unterstützung wegen hoher Rechnung

"Durch eine hohe Rechnung oder Nachzahlung kann ein einmaliger Unterstützungsbedarf entstehen", sagt Sebastian Schughart, Bereichsleiter Geldleistungen im Jobcenter Freiburg. Den decke die Behörde. Voraussetzung für die Unterstützung sei allerdings, dass ein vollwertiger Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt werde. Bei welchem Monatseinkommen sich das lohnt, dazu kann Schughart keine Zahl nennen. "Das hängt ganz vom Einkommen, der Wohnsituation und der Zahl der Personen in der jeweiligen Bedarfsgemeinschaft ab", sagt er.

Es gibt allerdings im Internet – beispielsweise auf der Seite des Jobcenters – Rechner, mit deren Hilfe man eine überschlägige Kalkulation vornehmen kann. Dann weiß man, ob sich ein Antrag lohnt. Auch Personen, die Wohngeld und/oder Kinderzuschlag beziehen, könnten einen Anspruch haben.
Hier gibt es Infos
Zur Berechnung, ob man Anspruch auf Unterstützung haben könnte, kann man den Online-Rechner der Caritas nutzen: http://www.caritasnet.de/alg2/rechner Über den Online-Auftritt der Jobcenter gelangt man zur Servicestelle SGB II (so heißt im Behördendeutsch das Arbeitslosengeld II): http://www.sgb2.info Dort findet man unter "Service" den Freibetragsrechner. Unmittelbar an Rentner wendet sich der Grundsicherungsrechner des Sozialverbandes VdK. Man kann auch einfach in der eigenen Suchmaschine am Computer Vdk und Grundsicherungsrechner eingeben. Informationen, wie man mit hohen Energierechnungen umgeht, finden sich bei http://www.energiehilfe.org Unter "Informationen für Beziehende von Rente, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld" gibt es beispielsweise Musteranträge für Jobcenter und Sozialamt. Dort findet man auch eine Anlaufstelle für eine persönliche Beratung.

Margret Böwe vom Sozialverband VdK weist darauf hin, dass noch die erleichterten Regeln gelten, die zu Beginn der Corona-Pandemie in Kraft gesetzt wurden. Demnach werden die Wohnkosten komplett anerkannt und es findet keine Vermögensprüfung statt. "Das macht den Zugang sehr viel einfacher." Was für Erwerbsfähige gilt, gilt ebenso für Rentner und Menschen, die eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Sie stellen den Antrag nicht beim Jobcenter, sondern beim Sozialamt der Stadt oder des Kreises.

"Es genügt, die Unterstützung formlos zu beantragen. Damit ist die Frist gewahrt." Margret Böwe, Sozialverband VdK
Der Anspruch auf Unterstützung besteht allerdings nur in dem Monat, in dem die Rechnung bezahlt werden muss, das betont Jobcenter-Bereichsleiter Schughart ebenso wie die VdK-Vertreterin. "Wir sagen immer: ,Gehen Sie ganz schnell aufs Amt’", so Böwe. Es sei auch nicht nötig, sofort mit komplett ausgefüllten Formularen anzukommen. "Es genügt, die Unterstützung formlos zu beantragen. Damit ist die Frist gewahrt." Die nötigen Unterlagen könne man dann immer noch beibringen. Schughart vom Jobcenter ergänzt: "Auch eine digitale Antragstellung ist unter www.jobcenter.digital möglich."

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