Interview

Berlins Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup: "Die Menschen wollen auch künftig reisen"

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Sa, 17. Oktober 2020 um 15:24 Uhr

Deutschland

Als Engelbert Lütke Daldrup Chef der Berliner Flughäfen wurde , war BER längst zum Synonym für Fehlplanung zum Gespött geworden. Brandschutz und Sicherheitsmängel machten die meiste Arbeit.

BZ: Herr Lütke Daldrup, sieben Mal wurde die Eröffnung verschoben, einige Manager sind am Projekt gescheitert. Ihr Plan ging auf – das Erfolgsrezept?
Lütke Daldrup: Ein gutes Team und harte Arbeit. Als ich vor dreieinhalb Jahren als Geschäftsführer antrat, haben wir einen neuen belastbaren Zeitplan erstellt, der sich bewährte. Im Herbst 2017 hatten wir dem Aufsichtsrat die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt" für den Oktober 2020 vorgeschlagen, dieses Ziel ist jetzt erreicht. Wichtig bei so komplexen Bauvorhaben ist, die Risiken gut zu kalkulieren und erforderliche Puffer einzuplanen.

"Die Passagierzahlen sind über Jahrzehnte doppelt so stark gestiegen wie das Wirtschaftswachstum. Die Menschen wollen auch künftig reisen und brauchen für längere Distanzen das Flugzeug."
BZ: Was waren die größten Probleme für Sie?
Lütke Daldrup: Wir haben uns voll und ganz auf unseren Job konzentriert, auf die Lösung der Bauprobleme und die rechtzeitige Abnahme der Anlagen durch TÜV und Behörden. Das ist uns gelungen. In der Tat haben uns die Brandschutzanlagen und die Sicherheitsstromversorgung die größten Probleme bereitet und viel Geld gekostet. Allein auf diesen Feldern gab es über 20 000 Mängel abzuarbeiten.
Zur Person
Engelbert Lütke Daldrup, 63, ist promovierter Raumplaner und seit März 2017 Chef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH.

BZ: Wird ein Hauptstadt-Flughafen in solchen Dimensionen angesichts der Krise der Luftfahrt in Zeiten der Pandemie überhaupt noch gebraucht?
Lütke Daldrup: Natürlich brauchen wir den BER. In den Debatten der letzten Jahre schien der geplante Airport mal zu groß, dann zu klein. Ich will die Folgen der Corona-Pandemie nicht kleinreden, aber man muss bei großen Investitionsprojekten langfristig denken. Die Passagierzahlen sind über Jahrzehnte doppelt so stark gestiegen wie das Wirtschaftswachstum. Die Menschen wollen auch künftig reisen und brauchen für längere Distanzen das Flugzeug. Deshalb werden wir auch diese schwerste ökonomische Krise in der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg überstehen.

BZ: In den ersten neun Monaten sind die Passagierzahlen auf den bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld um 70 Prozent auf nur noch acht Millionen gesunken. Macht das nicht alle bisherigen Wirtschafts- und Ausbaupläne wertlos?
Lütke Daldrup: In der Hauptstadtregion ist der Flugverkehr über viele Jahre sehr stark gewachsen, meist um sechs bis acht Prozent pro Jahr. 2020 werden es nur noch zehn Millionen Passagiere sein statt 36 Millionen wie voriges Jahr. 2021 erwarten wir etwa 18 Millionen Passagiere, in den Folgejahren soll schrittweise wieder das alte Niveau vor der Krise erreicht werden. Es gibt also eine große Wachstumsdelle. Natürlich müssen wir darauf reagieren: Der weitere Ausbau des Flughafens wird deshalb einige Jahre auf Eis gelegt.

Mehr zum Thema: