Wahlkreis Waldshut

Bernhard Boll (AfD) kritisiert seinen Parteikollegen Dubravko Mandic: "Solche Leute schaden unserer Partei"

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Mi, 24. Februar 2021 um 17:30 Uhr

Kreis Waldshut

Der AfD-Kreistagspolitiker Bernhard Boll will den Fokus auf Digitalisierung und Elektrifizierung der Hochrhein-Strecke setzen, sollte er in den Landtag einziehen. Rechtsaußen-Kreise der AfD kritisiert er.

Bernhard Boll ist ein Mann der Technik. Der Maschinenbauingenieur und Pilot engagiert sich seit sieben Jahren für die AfD, sitzt für sie im Kreistag des Landkreises Waldshut. Jetzt bewirbt er sich als Kandidat für ein Mandat im Landtag. Im Wahlkreis 59 Waldshut/Rheinfelden will er sich für eine bessere Digitalisierung und eine zweigleisige Hochrhein-Strecke bis Erzingen starkmachen.

Video: Bernhard Boll im BZ-Fragenwirbel

Politisch interessiert war Bernhard Boll immer, wie er sagt. Bei der Fliegerei las er unterwegs die Frankfurter Allgemeine oder die Neue Zürcher Zeitung. In die Politik trieb ihn die Finanzkrise und die damit verbundene Rettung des überschuldeten Griechenland durch die EU. "Die Kanzlerin hat am 9. Mai 2010 versprochen, dass die Maastrichter Verträge gelten, das heißt, kein EU-Land muss für die Schulden eines anderen aufkommen. Am 11. Mai war das gekippt", sagt er. Die EU entschied damals, den Euro-Rettungsschirm für Griechenland zu spannen. Auch Angela Merkel stimmte dem zu. "Das hat mich schockiert."

Der Weg in die AfD

Als Bernd Lucke 2013 die AfD gründete, die diese Politik kritisierte, trat er der Partei bei. "Welche andere Partei hätte sonst meine Interessen vertreten?", fragt Bernhard Boll. Einen Moment überlegte er später, die Partei zu verlassen: 2015, als Bernd Lucke im Machtkampf mit den rechtspopulistischen Kräften die Partei verließ. Bernhard Boll blieb dennoch. "Zwar haben wir einen Mehrparteienstaat, aber mit einer Einheitsmeinung", sagt er.

"Solche Leute wie Dubravko Mandic schaden unserer Partei"Bernhard Boll

Die Kräfte am äußersten rechten Rand in der AfD sieht er kritisch, etwa Politiker wie Wolfgang Gedeon, der für die AfD in den Landtag einzog und antisemitische Schriften verbreitete. "Ursprünglich kam der aber aus dem linken Spektrum", sagt er. Er war froh, dass dieser aus der Partei ausgeschlossen wurde. Bernhard Boll reist oft nach Israel. "Das ist ein tolles Land." Auch mit dem Kandidat für die Landtagswahl in Lörrach, Dubravko Mandic, hat der AfD-Politiker Probleme. "Solche Leute schaden unserer Partei", meint er. Mandic ist durch Hetzereien etwa gegen Journalisten aufgefallen. Bernhard Boll hofft, dass diese Kräfte nach der Wahl nicht mehr im Landtag sitzen.

Klimaschutz

Zum Klimawandel hat Bernhard Boll eine Meinung, die ebenfalls nicht jeder in seiner Partei teilen dürfte. "70 bis 80 Prozent davon sind von Menschen gemacht", sagt er. Was ihm allerdings in der Debatte über dieses Problem missfällt, ist der Fokus auf die deutsche Autoindustrie und die Verbrennungsmotoren. "Es nutzt dem Klima nichts, wenn wir die deutsche Autoindustrie kaputt machen", sagt er. Aus seiner Sicht tragen die Abholzung des Regenwalds oder die Wasserentnahme aus großen Seen wie dem Tschad- oder dem Aralsee wesentlich zur Erwärmung des Klimas bei. "Wir müssen das Problem global angehen und für uns hier in Deutschland einen Mittelweg finden", meint er. "Wir dürfen da nichts übers Knie brechen und die Industrie von jetzt auf gleich beenden", meint er.

Auch in der E-Mobilität sieht Bernhard Boll keine Lösung für das Klimaproblem. "Das verlagert nur die Umweltverschmutzung in andere Länder", sagt er – und meint damit die Gewinnung von Lithium. "Ich war oft in Chile und habe gesehen, was das für große Umweltschäden anrichten kann", sagt er. Welche Weg der richtige ist, vermag der Ingenieur aktuell nicht klar zu beantworten. Auch von Wasserstoff angetriebene Motoren sieht er skeptisch. "Nach dem heutigen Forschungsstand sind sie keine Alternative." Im Moment sei der Wirkungsgrad bei dieser Technologie noch zu gering.

Verkehr am Hochrhein

Als Bernhard Boll noch arbeitete, pendelte er mit dem Zug aus dem Landkreis Waldshut nach Frankfurt. "Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke am Hochrhein sind wir viele Jahrzehnte zu spät dran", sagt er. "Das ist ein Trauerspiel." Er plädiert dafür, die Hochrhein-Strecke zudem schleunigst zweigleisig auszubauen – und zwar von Basel bis Erzingen. "Im Moment ist das nur bis Waldshut geplant. Ab Waldshut bleibt dann das Nadelöhr." Im Ausbau sieht er eine Investition in die Zukunft, nur so könne der Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden. "In der Schweiz und Japan funktionieren gute Verbindungen ja auch perfekt, warum bei uns nicht?", fragt er.

Bildung und Digitatlisierung

Beim Thema Bildung bemängelt Bernhard Boll die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. "Ein Viertel der Kinder hat unzureichende mathematische Kenntnisse. Auch in anderen naturwissenschaftlichen Fächern schneiden die Schüler schlecht ab", sagt er. "Wir sind heute technologiefeindlich. Das muss sich ändern. Es kann nicht sein, dass wir mit SAP nur einen IT-Konzern von Weltbedeutung haben. Da haben wir etwas verpasst."

"Selbst in Georgien sind sie flotter als wir."Bernhard Boll

Bei der Digitalisierung sieht Bernhard Boll ebenfalls viel Nachholbedarf. "Wir sind im Landkreis Waldshut zwar im Moment gut dabei, haben aber viel zu spät angefangen", sagt er. "Selbst in Georgien sind sie flotter als wir." In Aichen, wo Bernhard Boll wohnt, wurde vor 30 Jahren die Antennengemeinschaft begründet. Seit 15 Jahren ist er ihr Vorsitzender. Diese machte sich für eine Gemeinschaftsantennenanlage stark. "Das hat sich bewährt. Darüber haben wir jetzt ein flottes Internet", berichtet er. Während des Interviews, das in Corona-Zeiten per Zoom-Konferenz geführt wird, ruckelte das Bild kaum, obwohl Aichen auf den Höhen des Südschwarzwalds liegt. Bernhard Boll plädiert dafür, dass die öffentliche Hand für den Ausbau von Breitband und Glasfasernetz sorgt. "Ein flottes Internet sollte heute zur Grundversorgung auch auf dem Land gehören." Da ist er für staatliche Eingriffe: "Den Ausbau kann man nicht allein dem Markt überlassen."