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Blues-Power in höchster Qualität in Bad Säckingen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 31. August 2021 um 12:00 Uhr

Bad Säckingen

Der Schlosspark in Bad Säckingen verwandelte sich in eine Arena des Bluse: Mit dem Konzert von Flo Bauer und Kai Strauss ging das Dreyland-Bluesfestival zu Ende.

Für drei Stunden verwandelte sich der idyllische Schlosspark in Bad Säckingen am Sonntagabend in eine fantastische Arena des Blues. Zwei Top-Bands setzten vor rund 150 Bluesfans den fulminanten Schlussakzent unter das dreitägige Dreyland-Bluesfestival.

Nachdem es bei den Konzerten in Schopfheim und Wehr mehr in Richtung Blues-Rock gegangen war, wurde es bei diesem Finale "etwas bluesiger", wie Programmmacher Manfred Bockey vom Verein "exBluesive" in seiner Begrüßung ankündigte. Als Erstes enterte Flo Bauer mit seinem Quartett die Konzertmuschel und ließ vom ersten Stück an die gefühlte Temperatur an diesem herbstlich kühlen, aber immerhin trockenen Abend um einige Grade steigen.

Außergewöhnliche Stimme, besondere Klangfarben

Der französische Sänger und Gitarrist machte seinem Ruf als faszinierende neue junge Stimme des Blues alle Ehre. Mit seiner außergewöhnlichen Stimme, die besondere Klangfarben hat, der Intensität und Leidenschaftlichkeit seines Gesangs und seinem exzellenten Gitarrenspiel zog der 23-Jährige die Zuhörer in Bann. An seiner Seite hatte der Newcomer gestandene Blues-Rock-Musiker, den energiegeladen in die Tasten langenden Mario Tardio am Piano, den temporeich am Schlagzeug wirbelnden Pierrot Bauer und Benoit Seyller am Bass als Fels in der rhythmischen Brandung.

In Stücken wie "Bad luck", "Hangover" und "Tennessee" zeigten Flo Bauer und sein Quartett ihre Ausnahmequalitäten sowohl in den bluesigeren als auch rockigeren Parts. Wenn er die tollsten Effekte aus seiner Gitarre herauskitzelte, erntete der junge Frontmann Applaus auf offener Szene.

Flo Bauer erweist Walter Trout seine Reverenz

Mit dem elektrisierenden "Woman don‘t lie" erwies Flo Bauer einem Weltstar des Blues-Rock, Walter Trout, seine Reverenz, der am Vorabend den Talschulplatz in Wehr gerockt hatte. Emotional klang Bauers eigener Song "A better man". "Do you want some Blues tonight?", rief er in den Park, wo die Bluesfans längst nicht nur auf den Plätzen unterm Segel saßen, sondern teils auf den Wegen tanzten, und forderte sie auf "Sing with me." In den furiosen Nummern wie "Black Night" und "Wake up" drehten Flo Bauer und seine Musiker mächtig in rockigerem Drive auf. Mit einer Version von "Angie" verabschiedeten sich der umjubelte Jungstar und seine Band.

Mit Kai Strauss & The Electric Blues Allstars war dann "geballte Blues-Power" in höchster Qualität geboten. "Da stehen sieben Blues Awards auf der Bühne – besser kann es gar nicht gehen", freute sich Manfred Bockey auf diese Spitzenmusiker. Der charismatische Sänger und Gitarrist Kai Strauss, einer der ganz Großen in der europäischen Bluesszene, hatte eine handverlesene Top-Band um sich versammelt. Der Super-Saxophonist Tommy Schneller und der ebenso brillante Trompeter Jens Buschenlage veredelten die Stücke mit ihren glänzenden Bläserstimmen, der amerikanische Bassist Kevin DuVernay versorgte die Band mit dem sattesten Groove, den man sich wünschen kann, Keyboarder Paul Jobson aus London lieferte Tastendrive vom Feinsten und Alex Lex erwies sich als Meister an den Drums.

Kraftvolle, erdige Bluesstimme

Mit seiner kraftvollen, warmen, erdigen Bluesstimme und seinen fabelhaften Gitarrenkünsten riss Kai Strauss die Fans im Schlosspark ein ums andere Mal hin. So authentisch, so voller ursprünglicher, ehrlicher Spielfreude, so leidenschaftlich im echten Bluesfeeling, klingt der Blues in Kai Strauss‘ Interpretationen. Wie intensiv dieser Mann den Blues lebt, konnte das Publikum in mehreren Stücken aus Strauss‘ neuestem preisgekröntem Album "In my Prime" hören. In seinem Song "Guest in the House of the Blues" singt Kai Strauss davon, dass er ein Gast ist im Haus des Blues, in der Kultur des Blues.



Dass seine Inspirationen nicht nur aus den USA, dem "Vater- und Mutterland des Blues", sondern auch aus England kommen, darauf spielt Kai Strauss in seinem Song "Going to London" an. In diesem Song klingt das multikulturelle Feeling in der britischen Metropole, die in den 60er Jahren die Wiege des europäischen Blues war, wunderbar durch. So richtig zündend und packend klang der Titelsong der aktuellen CD "In my Prime", den Strauss für alle Leuten um die 50 geschrieben hat, die "in ihrer besten Zeit" sind – genau wie er selbst.

Kai Strauss lässt seinen Musikern Raum für Soli

Jedenfalls präsentierte sich der Bluesman in absoluter Bestform, ob er nun ein Lied für alle Frauen sang, in dem er auch die "weichen Seiten" der Blues-Männer hervorkehrte, oder mit "Let me love you Baby" die Stimmung anheizte. Immer wieder ließ Strauss seinen Mitmusikern Raum für tolle Soli, allen voran dem Saxophonzauberer Tommy Schneller.

Und es war auch sehr sympathisch, wie er von seiner Bluesleidenschaft seit Kindheitstagen erzählte, von seinem Idol B.B.King, von unvergesslichen Gigs im legendären Waldhaus in Schopfheim, wo die Stimmung immer am Kochen gewesen sei. Ja, dieser phänomenale Bluesmusiker schaffte es mit seiner Band, für eine Festivalnacht aus dem Bad Säckinger Schlosspark ein "Haus des Blues" zu machen.