Wochen gegen Rassismus

Rücksicht und Respekt sind angesagt

Martha Weishaar

Von Martha Weishaar

Mi, 27. März 2019 um 14:21 Uhr

Bonndorf

Cil Kadirhan bringt mit der "Tiki Taka Fußballschule" bunte Lebensvielfalt in die Bonndorfer Stadthalle.

BONNDORF. Gegenseitiger Respekt ist Grundvoraussetzung für ein gutes Miteinander. Das stand im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung des Bildungszentrums zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Die "Tiki Taka Fußballschule" schwor spielerisch 70 Mädchen und Jungen darauf ein, sich gegenseitig zu achten und fair zu behandeln. Erkennbar hatten alle, Kinder wie Eltern, großen Spaß daran.

In Bonndorf lebt ein bunter Mix von Menschen aus vielen Ländern. 1041 ausländische Mitbürger belegt die Statistik des Einwohnermeldeamtes aktuell. Allein an der Grundschule lernen Kinder aus 13 unterschiedlichen Nationen. Mädchen und Jungen aus Rumänien, Portugal, der Schweiz, der Türkei, Bosnien, Syrien, Polen, dem Kosovo, Irak, Palästina, Ungarn, Bulgarien und Deutschland sitzen miteinander im Unterricht. Insgesamt haben 30 Kinder eine andere Staatsbürgerschaft. Die Anzahl derjenigen, die einen Migrationshintergrund haben, dürfte sogar noch deutlich höher liegen, informiert Schulsozialarbeiterin Marisa Kern. Ein harmonisches Zusammenleben aller Menschen unterschiedlicher Herkunft ist also zentrales Anliegen derer, die in irgendeiner Form Verantwortung für das soziale Miteinander tragen.

So griffen viele Rädchen ineinander. Die Schulsozialarbeiterinnen Marisa Kern und Lisa Thoma koordinierten mit dem Integrationsgremium der Stadt Bonndorf sowie dem Verein "Freunde des Friedens" eine fröhlich bunte Veranstaltung. Einen derartigen Ansturm hätten die Verantwortlichen allerdings nicht erwartet. "Eigentlich haben wir mit 50 Anmeldungen gerechnet, am Ende waren es 74", sagt Lisa Thoma. Gülseren Akkaya, Stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Vielfalt in Bonndorf" habe die Idee gehabt, mit der "Tiki Taka Fußballschule" ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Deren Gründer Cil Kadirhan fand die Aktion wiederum so gut, dass er seine Dienste nicht einmal in Rechnung stellt. Der junge Mann mit türkischen Wurzeln hat fußballerisches Talent und schaffte es einst in die Jugendmannschaft des Freiburger Sportclubs. Die Trainerausbildung durchlief er später in Spanien, dort wo seiner Meinung nach "Fußball am schönsten gespielt wird".

Vollkommen überzeugend vermittelte Cil Kadirhan seinem aufmerksam lauschenden Publikum in Bonndorf, wie es sich anfühlt, ausgeschlossen zu werden. Wie er weinte, als sein Vater ihm billige Kickschuhe vom Discounter brachte und er dafür ausgelacht wurde. "Ein guter Fußballer kann mit jedem Schuh spielen", habe ihm sein Vater vor dem ersten Training beim Sportclub gesagt. Fünf Tore habe er im ersten Spiel geschossen. Danach lachte ihn keiner seiner Mannschaftskameraden mehr wegen der billigen Kickschuhe aus.

"Egal wer kommt, welche Schuhe oder welche Frisur er trägt – wir respektieren alle Menschen und behandeln uns anständig", appellierte der Fußballtrainer an seine Zuhörer und fügte an: "Vielfalt bedeutet, dass wir unterschiedlich sind. Wie langweilig wäre das Leben, wenn wir alle gleich wären." Nicht Böses mit Bösem vergelten, sich beleidigen oder ausgrenzen, sondern die Beziehungen zueinander pflegen und sich mit Achtung begegnen – das sollten die Grundpfeiler des Miteinanders sein, forderte Cil Kadirhan, ehe er ganz nebenbei den Bogen zu gesunder Ernährung spannte. Dafür sorgten die "Freunde des Friedens". Sie bereiteten den sportbegeisterten Mädchen und Jungen ein gesundes Mittagessen. Nachdem am Vormittag die Fairness der Kinder beim sportlichen Parcours gefordert war, übten Eltern und Kinder später im ebenso spaßigen wie engagierten Fußballspiel Rücksichtnahme und Respekt. Mütter und Väter legten sich nicht minder ehrgeizig ins Zeug wie ihre Schützlinge. Am Ende konnten sich alle als Sieger fühlen.