Frankreich

Brigitte Klinkert geht nach Paris: Elsässische Regionalpolitikerin wird Ministerin

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 07. Juli 2020 um 15:55 Uhr

Südwest

Bisher hat sie sich für Projekte wie die Bahnstrecke Freiburg-Colmar stark gemacht. Nun wurde Brigitte Klinkert, Präsidentin des Départements Haut-Rhin, ins Arbeitsministerium berufen.

Im Vorfeld der Pariser Regierungsumbildung waren auch im Elsass in den vergangenen Tagen etliche Politikerinnen und Politiker für einen Ministerposten gehandelt worden. Brigitte Klinkert war nicht darunter. Sie selbst war mit am meisten überrascht über den Anruf des neuen Premierministers Jean Castex am Dienstagmorgen.

2017 zur ersten Frau an der Spitze des Département gewählt

Klinkert, die in zwei Wochen ihren 64. Geburtstag feiert, wird nun als Beigeordnete Ministerin (ministre déléguée) im Arbeitsressort unter der Ministerin Elisabeth Borne für Eingliederungsmaßnahmen zuständig sein. Vor dem Hintergrund der Gesundheitskrise und der ökonomischen Einschnitte kommen dem Thema Arbeit und den begleitenden wie unterstützenden Maßnahmen in Frankreich eine gesteigerte Bedeutung zu.

Klinkert sagte gegenüber der Badischen Zeitung, sie werde unter anderem die Zusammenarbeit zwischen der französischen Arbeitsagentur und den Départements koordinieren. In Frankreich kümmern sich die Départements um die Auszahlung der Sozialleistungen für Langzeitarbeitslose. Klinkert hatte sich, seit sie 2017 als erste Frau an die Spitze des Départementsrates Haut-Rhin in Colmar gewählt worden war, intensiv um Beschäftigungsmaßnahmen für Sozialhilfeempfänger etwa bei der Weinernte oder in Vereinen bemüht, um so einen Wiedereinstieg in ein geregeltes Beschäftigungsverhältnis zu fördern.

Aber auch ihr Engagement während der Corona-Krise dürfte in Paris nicht unbemerkt geblieben sein. Ende März, als die elsässischen Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen kamen, nutzte die Départementspräsidentin ihre Kontakte am Oberrhein und brachte die grenzüberschreitende Hilfe für Covid-19-Patienten in Gang.

"Meine Ernennung verstehe ich (...) als Anerkennung." Brigitte Klinkert
Klinkert, die 1994 als erste Frau in den Départementsrat (damals noch Generalrat) in Colmar gewählt worden war, entstammt politisch der bürgerlichen Mitte. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist Klinkert ein sehr persönliches Anliegen, sie ist aber auch die Fortsetzung einer Familientradition. Klinkerts Großvater war Joseph Rey, Oberbürgermeister von Colmar von 1947 bis 1977 und seines Zeichens ein Verfechter der deutsch-französischen Freundschaft.

Hartnäckiger Einsatz für die elsässischen Interessen

Klinkert war nach einem Jurastudium in der Präfektur Straßburg und später in verschiedenen Positionen des Départementsrates in Straßburg und der Région Alsace tätig. Vor einem Jahr hat Emmanuel Macron sie mit dem Verdienstorden eines Offiziers der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Wenn am 1. Januar 2021 die elsässischen Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin zur Collectivité Européenne d’Alsace (Europäische Gebietskörperschaft Elsass) fusionieren und innerhalb der Région Grand Est Sonderbefugnisse bekommen, das Elsass als politische Einheit also wieder sichtbar wird, ist das nicht zuletzt Klinkerts hartnäckigem Einsatz für die elsässischen Interessen geschuldet. "Meine Ernennung", sagt sie, "verstehe ich auch in diesem Sinne als Anerkennung."