Sebastian Lehmann

BUCHTIPP: Ein Kleinkünstler als Kleingärtner

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Sa, 03. April 2021

Literatur & Vorträge

Ein Kleinkünstler wird Kleingärtner – noch dazu in der Pampa in Mecklenburg-Vorpommern. Warum das nicht nur spießig ist, aber zu dauernden Krisen samt melancholisch-philosophischen Betrachtungen führt, erzählt der 1982 in Freiburg geborene und im vergangenen Jahr mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnete Lesebühnenautor Sebastian Lehmann in seinem neuen Buch. Weil die Großbaustelle vor seiner Berliner Wohnung lärmend in den Himmel wächst, kauft sich Lehmann mit seiner Freundin eine Datsche auf dem Land. Hört sich idyllisch an, ist aber 400 Quadratmeter Wildnis mit marodem Bungalow und Tanne. Zum Glück gibt’s den See, den Nachbarn Heinz und Baumärkte… Gewohnt selbstironisch und staubtrocken berichtet Lehmann von Riesenspinnen und gescheiterten Bauprojekten, von Muskelkater, Giersch-Invasionen und dem ostdeutschen Garten-Knigge. Eine erprobte Auswanderung, oft pointiert und witzig, stellenweise aber auch etwas langatmig geschrieben. Natürlich rufen auch die Eltern aus Freiburg mal an.

Sebastian Lehmann: Das hatte ich mir grüner vorgestellt – Mein erstes Jahr im Garten. Goldmann Verlag, München. 2021. 240 Seiten, 13 Euro.