Bad Krozingen

Bürgerinitiative für die Notfallversorgung an der Beckerklinik und im ländlichen Raum initiiert

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Di, 30. Juni 2020 um 17:00 Uhr

Bad Krozingen

Ein Bündnis aus Ärzten, Bürgern, Gemeinderat und Bürgermeister setzt sich für den Erhalt der 24/7-Notfallversorgung in der Beckerklinik Bad Krozingen und die dezentrale Krankenhausstruktur ein.

Es scheint, als könne es nicht schnell genug gehen, als gäbe es kein "zu groß". Am Montagabend hat sich ein Team gefunden, das die neue Bürgerinitiative (BI) zur Rettung der 24/7-Notfallversorgung an der Beckerklinik als Vorstand lenken soll. Zusätzlich wurden kurzerhand Bürgermeister Volker Kieber, der die BI initiiert hatte, und der gesamte Bad Krozinger Gemeinderat Gründungsmitglieder der noch namenlosen BI, deren eigentliche Gründung in den kommenden Tagen in einer noch nicht festgelegten Rechtsform beschlossen werden soll.

Gleichzeitig haben die Initiatoren den Rahmen erweitert, den die BI repräsentieren soll. "Wir sollten den Bogen weit fassen", sagte ein überzeugter Albert ter Wolbeek. Der frühere CDU-Gemeinderat, der Erfahrungen aus anderen Initiativen mitbringt, fungiert als zweiter BI-Vorsitzender. "Es geht nicht nur um die Notfallversorgung in Bad Krozingen, sondern um ganz Südbaden und die Ortenau." Auf diesem Weg erhoffen sich die Beteiligten mehr Unterstützer, um in Stuttgart und Berlin Gehör zu finden. Tatsächlich betrifft das Thema viele Menschen im ländlichen Raum, im gesamten Bundesgebiet. Allein in Baden-Württemberg haben mit der Beckerklinik 40 Krankenhäuser bei der Landesregierung den Antrag gestellt, als Spezialversorger eingestuft zu werden und somit die Kosten für die Notfallversorgung auch erstattet zu bekommen. Möglich wäre dies über die Landesöffnungsklausel. "Das Land hat den Grundsatz in seiner Verfassung, wonach Menschen in Stadt und Land den gleichen Anspruch auf Grundversorgung haben", so Kieber. Dieser erweiterte Fokus floss auch in die Resolution, die an Landes- und Bundesregierung ging und die weitere Bürgermeister auch aus dem Landkreis Lörrach unterschrieben haben.

Wie drängend die BI ihr Bestreben sieht, zeigen die Schilderungen von Armin Hartmann, leitender Notarzt im Landkreis und erster Vorsitzender der BI. "Regelmäßig werden Rettungswagen von Krankenhäusern abgewiesen, da diese keine Kapazitäten mehr haben. Ich habe ganze Listen mit Abteilungen, die sich zeitweise bei der Leitstelle wegen Überlastung abmelden mussten, übrigens auch von der Uniklinik", so Hartmann, der ergänzte: "Auch die Uniklinik wird ohne Anbau nicht alle Patienten versorgen können. Da muss ich Professor Wenz vehement widersprechen."

Umso größer sei seine Freude über die Hilfe von Politik und Bürgern. Bei der seit Samstag laufenden Unterschriftensammlung und über private Initiativen wurden mehr als 1000 Unterstützer gefunden. "Aber wir brauchen viel mehr. Es sollten Fünfzig-, Sechzig-, Siebzigtausend sein", sagte Albert ter Wolbeek.

Voraussichtlicher Vorstand der BI: Erster Vorsitzender Armin Hartmann, Zweiter Vorsitzender Albert ter Wolbeek, Kassierer Lothar Moehrke, Pressewart Peter Falk, Beisitzer Giovanna Ciuccio, Karola Kreutz, Gisela Merkle, Frank Nopper, Christina Schain, Anja Schilling, Ottmar Seywald, Gisa Weißgerber