1,4 Millionen Rentner im Job

dpa

Von dpa

Di, 20. August 2019

Wirtschaft

Starke Zunahme seit 2008 / Regierung: Menschen wollen teilhaben / Linke sieht Geldnot als Grund.

BERLIN/FREIBURG (dpa/bür). Fleißige Ältere: Immer mehr Menschen in Deutschland gehen einer Erwerbsarbeit nach, obwohl sie bereits Rente beziehen. Im vergangenen Jahr hatten 1,445 Millionen Rentner einen Job, teilte das Bundesarbeitsministerium mit. Das bedeutet einen Anstieg um gut 80 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Die Bundesregierung erwartet, dass sich der Trend noch beschleunigen wird, dass also in Zukunft deutlich mehr Rentner erwerbstätig sein werden als heute. Das sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums am Montag. "Die im Alter steigende Erwerbsbeteiligung kann als Ausdruck veränderter Lebensentwürfe einer aktiveren Teilnahme an Wirtschaft und Gesellschaft gewertet werden", sagte er. Neben finanziellen Gründen gebe es immaterielle Motive wie die Freude an der Arbeit und den Kontakt zu anderen Menschen.

Nach Ansicht der Linken steht Geldnot im Vordergrund: "Wenn ein Drittel der Rentner und Rentnerinnen in den ersten drei Jahren arbeiten muss, weil die Rente nicht zum Überleben reicht, dann muss endlich die solidarische Mindestrente her", sagte der Bundesgeschäftsführer der Linken, Jörg Schindler.

Schindlers Partei fordert mindestens 1050 Euro monatlich für Rentner. Heute liegt jede zweite Altersrente unter 900 Euro im Monat, das Haushaltseinkommen aber meist höher. Laut Rentenversicherung hatten Ehepaare bei Haushalten mit einer Person in Rente 2015 im Westen ein Nettoeinkommen von 2572 Euro.

Zwar sorgt schon die insgesamt steigende Zahl älterer Menschen mit dafür, dass es mehr arbeitende Rentner gibt. Allerdings ist auch der Anteil der arbeitenden Rentner an allen Rentnern gestiegen. Im vergangenen Jahr waren acht Prozent aller Rentner erwerbstätig, im Jahr 2000 waren es noch gut drei Prozent gewesen.

Laut Experten sind heutzutage mehr Menschen gesundheitlich in der Lage, im Rentenalter zu arbeiten, als dies in früheren Jahrzehnten der Fall war. Das hat auch mit dem Strukturwandel in der Wirtschaft zu tun. Körperlich harte Arbeit ist seltener geworden. Es wird auch mehr Rücksicht auf den Arbeitsschutz genommen.

Laut Arbeitsministerium liegt die steigende Erwerbstätigkeit im Rentenalter auch an politischen Reformen wie der Flexirente. Diese können Menschen nutzen, die das reguläre Renteneintrittsalter noch nicht erreicht haben, sich diesem aber nähern. Die Flexirente bietet seit 2017 unter anderem die Möglichkeit, ab 63 Jahren Teilzeitarbeit und Teilrente zu kombinieren. Einfach gestalten sich die rechtlichen Regeln dann nach Erreichen der Regelaltersgrenze: Der Verdienst hat keinen Einfluss auf die Rentenzahlung.

Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Rentner geht einem 450-Euro-Job (Minijob) nach. Je ein Viertel arbeitet sozialversicherungspflichtig oder selbstständig, teilte das Arbeitsministerium unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mit.