Personalmangel

Verdi-Gewerkschafter: "Die Pflegekräfte sind überlastet"

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Do, 12. September 2019 um 09:39 Uhr

Freiburg

Der Pflegeberuf soll attraktiver werden – was heißt das konkret? Sebastian Wolfrum fragte Ingo Busch, Gewerkschaftssekretär von Verdi, wie sich die Tätigkeit aufwerten lässt.

BZ: Wie belastet der Fachkräftemangel die Pflegenden selbst?

Busch: Der Personalmangel ist spürbar, Pflegekräfte sind überlastet. Es wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet, an sieben Tagen in der Woche. Es gibt oft keine verlässlichen Dienstpläne, Mitarbeiter müssen oft einspringen, es fehlen Erholungszeiten. Und es entsteht ein Spannungsverhältnis. Viele Pflegekräfte arbeiten in einem Beruf, den sie gerne machen, sie wollen für die Patienten da sein. Gleichzeitig gibt es sehr viel zu tun und sie müssen sich abgrenzen und schützen. Dem kann niemand gerecht werden. Das zehrt viele Pflegekräfte auf.

BZ: Wie kann der Beruf attraktiver werden?

Busch: Dafür braucht es mehrere Maßnahmen. Wichtig wären mehr Entlastungstarifverträge und bessere politische Rahmenbedingungen, etwa eine gesetzlich festgelegte Personalbemessung. Nachtdienste müssen doppelt besetzt werden, es braucht Regeln, wie Personalausfall kompensiert wird. Und die Ausbildung muss aufgewertet werden.

BZ: Krankenpfleger verdienen laut Tarifvertrag zwischen 2800 und 3500 Euro brutto. Es geht nicht um Geld?

Busch: Natürlich sollen Pflegekräfte anständig bezahlt werden. Aber viele sagen, wir brauchen Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen, Stellenschlüssel, Arbeitszeit oder auch bei Fortbildungen.

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