Coole Stücke für junge Musiker

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 12. März 2014

Freiburg

VEREINT IM VEREIN: Im Werkstattorchester des Musikvereins Littenweiler wird oft mit Rock- und Bluesstücken geübt.

LITTENWEILER. Vielleicht gründet Philipp (7) mit seinem vierjährigen Bruder mal eine Band. Sein Bruder spielt Gitarre, Philipp spielt Schlagzeug. "Bei den Toten Hosen gibt’s auch einen Schlagzeuger!" sagt Philipp – der ist sein Vorbild. Doch bis er und sein Bruder die Nachfolge der Toten Hosen antreten, übt er noch ein bisschen: Montagabends im Werkstattorchester des Musikvereins Littenweiler. Dort werden Kinder auf ihre Aufnahme ins Jugendorchester vorbereitet, Neue sind jederzeit willkommen.

Zuerst ist Timo (11) noch ganz allein im Bürgersaal Littenweiler. Er macht es sich mit seiner Trompete schon mal bequem, bald trudeln die anderen ein. Timo ist ein alter Hase im Werkstattorchester: Er hat mit der Vorgänger-Gruppe angefangen. Seit Jahresbeginn sind die anderen ins Jugendorchester gewechselt, Timo bleibt noch ein bisschen bei denen, die jetzt neu dazu kamen.

Zurzeit spielen die Kinder im Werkstattorchester Schlagzeug, Trompete, Posaune und Klarinette – es könnten unter anderem auch noch Querflöten- und Saxophon-Spieler dazukommen. Bei Timo fing es damit an, dass er ein Instrument spielen wollte, seine Schule schlug den Musikverein Littenweiler vor. Das ist praktisch, weil er nahe beim Bürgersaal wohnt. Alle Kinder im Werkstattorchester leben in Littenweiler. Trompete ist okay, findet Timo: "Nicht richtig schwierig und nicht richtig leicht."

Auch die Anfänger spielen gleich mit anderen zusammen

Philipp hat nicht erst hier zum Schlagzeug gefunden, sondern schon früher. "Ich wollte das einfach", sagt er. Jetzt kommt er regelmäßig ins Werkstattorchester, genau wie seine Schwester Lena (9), die Klarinette spielt. Philipp sitzt ganz hinten, die anderen sitzen in einer Reihe vor ihm, ganz vorne steht Dennis Droll. Er leitet das Werkstattorchester und studiert an der Pädagogischen Hochschule Lehramt für Haupt-, Werkreal- und Realschulen, Hauptfach Musik. Er selbst spielt Trompete und das nicht ganz so bekannte Blechblasinstrument Euphonium, manchmal auch im Erwachsenen-Orchester. Und er leitet weiter ein Kinderorchester in Bühl bei Baden, seinem Heimatort, wo er seit zehn Jahren aktiv ist und unter anderem einen Dirigenten-Lehrgang gemacht hat.

Die Arbeit mit Kindern macht besonderen Spaß, findet er: "Sie sind oft motivierter als Erwachsene." Und sie machen schnelle Fortschritte, erst recht, wenn sie zusammen spielen. Darum sei es sinnvoll, auch schon die absoluten Neuanfänger in einem Mini-Orchester zusammenzubringen, so wie es beim Werkstattorchester geschieht.

Zaida (10) ist eine der Neustarterinnen, als in der Schule Instrumente vorgestellt wurden, hat sie sich für Posaune entschieden. Sie bat ihre Mutter um Unterricht, den bekommt sie nun beim Musikverein Littenweiler, begleitend zum Werkstattorchester – so wie alle hier. Ist es nicht schwierig, mit anderen zusammenzuspielen, wenn jemand sein eigenes Instrument noch gar nicht richtig kennt? Philipp schüttelt entschieden den Kopf: "Das ist mega-einfach!"

Und es klappt wirklich gut, als es losgeht. Dennis Droll stimmt die Kinder erst mit Stampfen und Klatschen ein, er macht verschiedene Rhythmen vor und die Kinder sagen, ob es Drittel-, Viertel- oder Achtelnoten sind. Dann spielen sie "March along" von Jacob de Haan. Mal alle zusammen, mal übernimmt Zaida eine Weile allein, mal zusammen mit Timo. Dennis Droll klopft mit dem Fuß den Rhythmus dazu. Er ist zufrieden: "Die Töne und der Rhythmus stimmen, jetzt brauchen wir nur noch das richtige Tempo." Er und seine Kollegen beim Einzelunterricht schreiben Stücke manchmal um. Sie suchen Blues und Rock aus, ganz gemischte Sachen, "das klingt alles cool." Auf keinen Fall gibt’s Polka und Marsch.