Corona, Krieg und Kirchenkrise

dpa

Von dpa

Mo, 23. Mai 2022

Südwest

Nach vier Jahren findet wieder ein Katholikentag in Präsenz statt / Teilnehmerzahl sinkt stark.

Der 102. Katholikentag von Mittwoch bis Sonntag in Stuttgart soll besonders politisch werden. "Wir werden ein Zeichen setzen, dass die vermeintliche Macht des Stärkeren nicht das letzte Wort hat", sagt Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). "Dieses Zeichen gilt Wladimir Putin, es gilt den demokratiefeindlichen, rechtsnationalen Kräften in unserem eigenen Land, es gilt aber auch denen, die mit Drohungen und Spaltungsvorwürfen in unserer Kirche Wege in die Zukunft verbarrikadieren wollen."

Das ZdK – das sich selbst als Vertretung der "katholischen Zivilgesellschaft" versteht – ist Veranstalter des Kirchenfestes mit fast 1500 Veranstaltungen, darunter Gottesdiensten, Podien und Workshops. Gäste sind unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz, aber auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Moderator Eckart von Hirschhausen.

Zwar findet der Katholikentag komplett in Präsenz statt, doch werden viel weniger Teilnehmende erwartet als vor der Corona-Pandemie. Während zur letzten Ausgabe in Münster vor vier Jahren fast 90 000 Gläubige kamen, rechnen die Veranstalter diesmal nur mit 20 000 bis 30 000. "Im Angesicht der sehr hohen Inzidenz-Werte der Corona-Pandemie hatten wir lange die bange Frage, ob wir den Katholikentag überhaupt in Präsenz würden durchführen können", so Stetter-Karp. "Am 24. Februar kam dann der nächste Einschlag: Was ist die Folge des Krieges in der Ukraine? Insofern: Wir haben mehrere Ausnahmezustände. Und zu diesen gehört unzweifelhaft auch die Krise in unserer Kirche." Da seien 20 000 bis 30 000 Teilnehmende immer noch "ein Segen" und keineswegs eine Enttäuschung. "Wo sonst treffen sich jetzt so viele Menschen aus Politik, Wissenschaft, Kirche und Welt, Menschen aus den Gemeinden, Gäste aus dem Ausland, Engagierte aus allen Teilen Deutschlands, Angehörige verschiedener Religionen und diskutieren über Gott und die Welt?"

Die Kosten des Katholikentags bleiben mit zehn Millionen Euro gleich hoch, die Stadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und der Bund zahlen mit. "Wir haben es mit einer starken Kostensteigerung zu tun, weil sich die Veranstaltungsbranche in Folge der Pandemie sehr gewandelt hat", sagt Stetter-Karp. "Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass wir wieder Öffentlichkeit erzeugen und Begegnungen ermöglichen. Das hat seinen Preis."